Joel Netshitenzhe, Geschäftsführender Direktor des Mapungubwe Institute, hielt beim eThekwini-Kolloquium einen Vortrag über globale Machtdynamiken und hob die Spannung zwischen Unipolarität und aufkommender Multipolarität hervor. Er diskutierte Chinas wirtschaftlichen Aufstieg und die inneren Herausforderungen der Vereinigten Staaten inmitten laufender Großmachtübergänge. Netshitenzhe forderte Südafrika auf, seine Ressourcen zu nutzen und strategische Allianzen als Reaktion aufzubauen.
Am Montag referierte Joel Netshitenzhe beim eThekwini-Kolloquium über globale Dynamiken und analysierte das Zusammenspiel geostrategischer, wirtschaftlicher, politischer, sozialer, technologischer und umweltbedingter Kräfte, die die heutige Volatilität prägen. Er begann mit dem Zitat eines Briefs einer gewöhnlichen kubanischen Frau, die die Auswirkungen der US-Blockade beschrieb: »Ich schreibe dies mit gebrochenem Herzen und zitternden Händen, denn was mein Volk heute erlebt, ist keine Krise. Es ist ein langsamer, kalkulierter, kaltblütig ausgeführter Mord, inszeniert aus Washington.« Dies unterstrich Fragen zur Unipolarität und Multipolarität. Netshitenzhe wies auf Chinas Wiedererstarken als Großmacht hin, wobei sein Anteil an der Weltwirtschaft von 2 Prozent im Jahr 1980 auf 18 Prozent im Jahr 2016 nach Kaufkraftparität anstieg, im Gegensatz zum Rückgang der USA von 50 Prozent nach dem Zweiten Weltkrieg auf 16 Prozent im Jahr 2016. Er hob hervor, dass BRICS+ 40 Prozent der Weltwirtschaft ausmacht gegenüber 28 Prozent der G7, betonte jedoch die militärische Dominanz der USA, deren Ausgaben die der nächsten 10 Mächte zusammen übersteigen. Unter Berufung auf Raja Mohan in The Economist (2026) bemerkte er: »Die schwache internationale Reaktion auf Washingtons aggressive Handelspolitiken … hat gezeigt, wie schwierig es für jede Koalition ist, effektiven Widerstand gegen die Vereinigten Staaten zu organisieren.« Netshitenzhe wiederholte die ANC-Sicht von 2007 auf eine primäre Unipolarität mit sekundären multipolaren Merkmalen und warnte vor dem inneren Verfall der USA durch Überdehnung, soziale Ungleichheit und Erosion der freien Meinungsäußerung. Die Äußerungen des US-Außenministers Marco Rubio auf der Münchner Sicherheitskonferenz 2026 bedauerten den imperialen Niedergang des Westens nach 1945 und bewerteten die Dekolonisierung negativ. Für Südafrika betonte Netshitenzhe die Nutzung von Voraussetzungen wie über 70 Prozent der globalen Reserven an Platingruppenmetallen und der strategischen Lage. Er plädierte für eine vereinte afrikanische Stimme, um globale Dynamiken zu beeinflussen, den Aufbau breiter Fronten für Frieden, gerechten Handel und soziale Gerechtigkeit sowie die Stärkung der nationalen Sicherheit gegen potenzielle Interventionen.