Eine Woche nach Beginn der Angriffe durch Israel und die USA auf den Iran melden Hilfsorganisationen Hunderte Tote und Tausende Verletzte unter der Zivilbevölkerung. Berichte aus Teheran und Isfahan beschreiben schwere Bombardements und wachsende Panik. Neue Analysen deuten auf einen US-Angriff auf eine Mädchenschule hin.
Der Krieg zwischen Israel, den USA und dem Iran hat sich in der ersten Woche dramatisch zugespitzt. Am Samstag vor einer Woche starteten Israel und die USA Bombardements, die den Tod des religiösen Führers Ali Chamenei durch israelische Bomben zur Folge hatten. Exil-Iraner und einige Bürger im Land jubelten zunächst, wie Videos aus iranischen Städten zeigten. Ein Iraner sagte im Deutschlandfunk: „So oder so werden wir sterben, ob durch einen Angriff aus dem Ausland – oder auf den Straßen. Ich mag es nicht, wenn mein Land angegriffen wird. Aber das Regime lässt keine andere Wahl.“ Ein weiterer erklärte in einem Social-Media-Video: „Wenn ich für die Freiheit sterbe, hat mein Kind wenigstens eine Zukunft.“
Iranische Medien berichteten am Freitag von landesweiten Angriffen: Nahe Isfahan wurden drei Kleinstädte bombardiert, im Osten der Stadt gab es Verletzte, beschädigte Wohnhäuser und Fahrzeuge. In Teheran, wo rund 15 Millionen Menschen leben, hörten Bewohner frühmorgens das Donnern niedrig fliegender Kampfflugzeuge. Der iranische Rote Halbmond veröffentlichte Fotos zerstörter Häuser in Großstädten und schätzt bis Freitag rund 800 Tote, während staatsnahe Stellen von über 1000 getöteten Zivilisten sprechen. Die Zahlen sind schwer verifizierbar, da das Regime den Internetzugang weitgehend abgeschnitten hat. Nur staatliche Medien und russische Agenturen veröffentlichen frei. BBC-Journalisten teilten Berichte aus Teheran: In der Nacht auf Freitag kam es zur schwersten Bombardierung der Hauptstadt. Eine Bewohnerin nannte es „Hölle auf Erden“: „Es war schrecklich. Sie schlugen so heftig zu, dass alle Fenster wackelten. Als würde ein Drachen Krach machen.“
Israels Militär meldet seit Kriegsbeginn 1600 Flugeinsätze und 4000 Geschosse, mehr als im 12-Tage-Krieg vergangenen Sommers. Rund 300 Raketenabschussrampen im Iran wurden zerstört, um Angriffe auf israelische Zivilisten zu verringern. In Israel starben elf Menschen durch iranische Raketen, Dutzende wurden verletzt. Schätzungen von Hilfsorganisationen sprechen von 100.000 Binnenflüchtlingen oder Ausgereisten aus dem Iran. Im Libanon vertrieb die Kämpfe zwischen Hisbollah und israelischer Armee über 80.000 Menschen, vor allem aus dem Süden.
Ein klarerer Fall ist der Angriff auf eine Mädchenschule im Südiran am Morgen des 28. Februar. Israel bestreitet Beteiligung. Satellitenbilder der New York Times deuten auf eine US-Rakete hin. Die Schule lag nahe einer Marinebasis der Revolutionsgarden, die zuvor militärisches Gelände war und auch getroffen wurde. Indizien sprechen für einen Fehler in der Zielplanung. Der Iran nennt 175 Todesopfer, was nicht überprüfbar ist.
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) äußerte Zweifel an der Notwendigkeit des Kriegs: „Dieses Regime ist ein Terrorregime, das Israel und die ganze Region bedroht, die eigene Bevölkerung unterdrückt und Zehntausende ermordet hat. Aber [...] man hätte vorher stärker auf Verhandlungen setzen müssen.“ Er bezweifelt die völkerrechtliche Legitimität und warnt vor wirtschaftlichen Folgen wie steigenden Energiepreisen.