Der türkische Regisseur Nuri Bilge Ceylan zieht Kritik von iranischen Filmemachern auf sich wegen seiner angeblichen Beteiligung am staatlich geförderten Fajr-Filmfestival Irans. Die Veranstaltung, die vom 26. November bis 3. Dezember in Schiras stattfindet, weckt Bedenken hinsichtlich der Legitimierung staatlicher Zensur. Der Verband unabhängiger iranischer Filmemacher hat ihn aufgefordert, sich zurückzuziehen.
Hintergrund der Kontroverse
Nuri Bilge Ceylan, der gefeierte türkische Filmemacher, der 2014 mit 'Winter Sleep' die Goldene Palme in Cannes gewann, wird beschuldigt, sich mit dem repressiven Regime des Iran durch seine Teilnahme am Fajr-Filmfestival zu solidarisieren. Berichte iranischer und türkischer Medien deuten darauf hin, dass er Jurypräsident sein wird, während die Festival-Website ihn als Ehrengast auflistet. Dies folgt auf Masterclasses, die er im Oktober in Teheran bei einer vom Staat unterstützten Kinoveranstaltung abhielt.
Details zum Fajr-Filmfestival
Das jährliche Fajr-Filmfestival, die wichtigste Kinoveranstaltung Irans, wird vom Staat organisiert und in Schiras abgehalten. Es umfasst 45 Filme aus 30 Ländern. Kritiker sehen es jedoch als Werkzeug staatlicher Propaganda inmitten anhaltender politischer Spannungen.
Kritik von iranischen Filmemachern
Der Verband unabhängiger iranischer Filmemacher (IIFMA), angeführt vom exilierten Produzenten Kaveh Farnam, veröffentlichte am Dienstag einen offenen Brief, in dem er über Cey lans Entscheidung schockiert war. 'Die Nachricht von Ihrer Zusammenarbeit mit dem Fajr-Filmfestival im Iran unter der Herrschaft der Islamischen Republik hat Erstaunen und Kummer ausgelöst', hieß es in dem Brief. Er hob die Rolle des Festivals bei der Normalisierung der Unterdrückung nach den Protesten 'Frau, Leben, Freiheit' 2022-2023 hervor, bei denen Sicherheitskräfte zahlreiche Demonstranten töteten.
Die IIFMA argumentierte, dass Cey lans Anwesenheit das Image der Regierung stärken würde und die Realitäten von Zensur und Inhaftierung ignoriere, denen Regisseure wie Jafar Panahi und Mohammad Rasoulof ausgesetzt sind. 'Ihre Teilnahme stärkt effektiv die Bilder, die die Regierung präsentieren möchte', schrieben sie und bezeichneten es als 'Missbrauch Ihres Prestiges für diese Propaganda-Aufführung'.
Ceylan hat noch nicht auf Anfragen zur Stellungnahme reagiert. Zu seiner Filmografie gehören bemerkenswerte Werke wie 'Three Monkeys' (2008), 'Once Upon a Time in Anatolia' (2011), 'The Wild Pear Tree' (2018) und 'About Dry Grasses' (2023), die oft humanistische Themen behandeln.