Der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Bundestag, Thomas Röwekamp (CDU), schlägt vor, Bundeswehrsoldaten bei Bedarf verbindlich zum Einsatz in Litauen zu verpflichten, da zu wenige Freiwillige für die Brigade gemeldet haben. Ein Bericht des 'Spiegel' hebt Personalmangel hervor, während das Verteidigungsministerium den Aufbau als im Plan bezeichnet. Die Brigade soll die Nato-Ostflanke stärken.
Thomas Röwekamp (CDU), Vorsitzender des Verteidigungsausschusses im Deutschen Bundestag, hat angekündigt, dass Bundeswehrsoldaten notfalls verbindlich zum Dienst in Litauen verpflichtet werden könnten, falls sich nicht genügend Freiwillige melden. 'Die Bundeswehr baut auf Freiwilligkeit, und das bleibt der richtige Grundsatz', sagte er dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Er ergänzte: 'Wenn dieser für einen sicherheitspolitisch unverzichtbaren Auftrag wie die Brigade in Litauen nicht ausreicht, muss der Dienst auch verbindlich angeordnet werden.' Röwekamp betonte zudem: 'Wer sich für den Soldatenberuf entscheidet, übernimmt Verantwortung für den Schutz von Frieden, Freiheit und unserer Bündnispartner. Diese Verantwortung endet nicht an der Landesgrenze – sie schließt auch den Dienst dort ein, wo Abschreckung Frieden sichert, wie in Litauen.'
Der 'Spiegel' berichtete unter Berufung auf ein vertrauliches Papier des Verteidigungsministeriums von zu wenigen Freiwilligen, insbesondere bei Mannschaftsdienstgraden. Für das Panzerbataillon 203 aus Augustdorf (Nordrhein-Westfalen) mit 414 benötigten Soldaten meldeten sich nur 197 Freiwillige. Beim Panzergrenadierbataillon 122 waren von 640 Posten lediglich 181 besetzt. Insgesamt sucht man Freiwillige für 1.971 Dienstposten, doch nur rund 10 Prozent (209 Soldaten) haben sich gemeldet. Aktuell sind 1.700 bis 1.800 Bundeswehrangehörige in Litauen, bis Jahresende sollen es 2.000 sein. Bis 2027 ist eine Truppenstärke von 4.800 Soldatinnen und Soldaten sowie 200 Zivilangestellten geplant.
Das Verteidigungsministerium erklärte, der Aufbau der Brigade sei 'im Plan' und der Personalbedarf könne mit Freiwilligen gedeckt werden. Die Zahlen stammen aus einem Zwischenstand von Ende letzten Jahres. Litauens Präsident Gitanas Nauseda sprach Kanzler Friedrich Merz (CDU) auf das Thema an und erhielt die Versicherung, dass Deutschlands Verpflichtungen ernst genommen werden.
Die Litauenbrigade wurde im April 2025 aufgestellt, um die Nato-Ostgrenze zu stärken und Russland von weiteren Angriffen abzuschrecken. Zentrale Standorte sind Rūdninkai nahe der belarussischen Grenze und Rukla bei Kaunas. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) kündigte den Plan im Juni 2023 in Vilnius an. Um die Attraktivität zu steigern, plant das Ministerium, die Mindestdienstzeit von zwei auf ein Jahr zu kürzen. Freiwillige erhalten Zulagen, und Litauen verspricht Unterkünfte, Jobs für Partner sowie Kindergärten und Schulen. Dies ist ein Novum für die Bundeswehr, da ständige Auslandsbrigaden bisher unbekannt waren. Innerhalb der Nato bestehen hohe Erwartungen an das Engagement, angesichts potenzieller Risiken im Baltikum, etwa durch die Suwalki-Lücke.