Australien startet Social-Media-Verbot für unter-16-Jährige

Ab sofort dürfen Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren in Australien keine eigenen Konten auf großen Social-Media-Plattformen wie Instagram und TikTok besitzen. Das Gesetz, das Ende 2024 verabschiedet wurde, zielt auf den Schutz vor Risiken wie Cyber-Mobbing und übermäßigem Bildschirmkonsum ab. Trotz Kritik und einer Klage ist es nun in Kraft getreten.

Australien hat als weltweiter Vorreiter ein umfassendes Verbot für Social-Media-Konten unter 16-Jähriger eingeführt. Das Gesetz betrifft zehn Plattformen, darunter Instagram, TikTok, Snapchat, Facebook, YouTube, X, Reddit und Twitch. Es wurde Ende 2024 vom Parlament verabschiedet und trat am Mittwoch ortszeitlich in Kraft, obwohl die Organisation Digital Freedom Project eine Klage vor dem Obersten Gericht in Canberra einreichte. Zwei 15-jährige Jugendliche argumentieren, es handle sich um einen Angriff auf die freie politische Kommunikation und erinnere an George Orwells '1984'.

Regierungschef Anthony Albanese bezeichnete Social Media als 'Geißel', die junge Menschen von einer normalen Kindheit mit echten Freunden und Erfahrungen fernhalte. 'Wir wollen, dass unsere jüngsten Australier mehr Zeit draußen verbringen, Sport treiben, in normaler Weise miteinander umgehen – und weniger Zeit online sind', sagte er. Die Online-Sicherheitsbeauftragte Julie Inman Grant betonte, ein späterer Zugang schenke 'wertvolle Zeit', sich ohne Algorithmen und endlosen Scroll-Funktionen zu entwickeln.

Die Verantwortung liegt bei den Plattformen, die zwölf Monate Zeit zur Umsetzung hatten. Bei Nichteinhaltung drohen Bußgelder bis zu 49,5 Millionen australischen Dollar (27,9 Millionen Euro). Ausgenommen sind Messaging-Dienste wie WhatsApp, E-Mails, Anrufe, Online-Spiele und Bildungsangebote. Plattformen wie Snapchat prüfen das Alter durch verhaltensbasierte Signale und selbst angegebene Daten; betroffene Konten werden gesperrt, bis die Nutzer 16 werden.

Kritiker, darunter die australische Menschenrechtskommission (AHRC), halten das Verbot für übertrieben. 'Es gibt weniger restriktive Alternativen', heißt es, wie eine Sorgfaltspflicht für Tech-Firmen, um Produkte kindersicher zu gestalten. Viele befürchten, dass Jugendliche zu unkontrollierteren Plattformen wie Gaming-Diensten ausweichen. Albanese räumte ein, das Gesetz sei nicht perfekt, werde aber Online-Mobbing eindämmen und Leben retten.

Internationale Reaktionen mehren sich: Das EU-Parlament forderte kürzlich ein Mindestalter von 16 Jahren, Dänemark plant eine Grenze bei 15. In Deutschland gibt es keine feste Regelung; Eltern müssten theoretisch zustimmen, was leicht umgangen wird. Der Bundesdrogenbeauftragte Hendrik Streeck plädiert für Altersfreigaben wie bei der FSK. Deutscher Schülervertreter Quentin Gärtner kritisiert: 'Die erste Lösung ist Bildung, jungen Menschen Kompetenzen zu vermitteln', statt Verbote.

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