Verbot des Palästina-Kolloquiums am Collège de France weckt Zensurängste

Über 300 Akademiker, darunter Jean-François Bayart und Judith Butler, verurteilen die Absage des Kolloquiums 'Palästina und Europa' am Collège de France. Sie sehen darin einen beispiellosen Angriff auf die akademische Freiheit nach Druck vom Ministerium für Hochschulbildung. Diese Entscheidung ebnet den Weg für eine Ära institutioneller Zensur.

Eine Gruppe von über 300 Akademikern, Forschern, Lehrern und Studierenden äußert tiefe Besorgnis über die Absage des Kolloquiums 'La Palestine et l’Europe: poids du passé et dynamiques contemporaines', das am Collège de France geplant war. Diese Entscheidung folgte einem kontroversen Artikel und direkten Druck vom Ministerium für Hochschulbildung und Forschung.

Die Unterzeichner, aus renommierten Institutionen wie der École Polytechnique Fédérale de Lausanne (Schweiz), der School of Oriental and African Studies in London, der Universität Amsterdam, der École des Hautes Études en Sciences Sociales (EHESS) und dem Centre National de la Recherche Scientifique (CNRS) in Paris oder der Queen Mary University of London, verurteilen die politische Einmischung in die Forschung. 'Unter dem Vorwand, die wissenschaftliche Integrität zu wahren, hat das Ministerium politische Interventionen im Forschungsbereich legitimiert, was im Widerspruch zu seiner primären Aufgabe steht: die Unabhängigkeit der Akademiker und die Vielfalt wissenschaftlicher Ansätze zu schützen', schreiben sie in ihrem Gastbeitrag in Le Monde.

Die Referenten wurden ungerechtfertigt diskreditiert auf Basis von Verallgemeinerungen und unbegründeten Vorwürfen, trotz ihrer Expertise und internationalen Anerkennung. Die Gruppe betont, dass Forschung auf Methode, Kritik und argumentierter Debatte beruht, nicht auf einem 'politischen Gleichgewicht', das von der Macht diktiert wird. 'Indem wissenschaftliche Bewertung und ideologische Kontrolle verwechselt werden, eröffnet dieses Verbot die Tür zu einer Ära institutioneller Zensur, in der Medienverleumdungen ausreichen würden, um universitäre Reflexion zum Schweigen zu bringen', heben sie hervor.

Sie wehren sich dagegen, dass Frankreich diesen Weg einschlägt und das Collège de France zum Sammelbecken solcher Entwicklungen wird, und betonen, dass die Aufgabe von Forschungsinstitutionen darin besteht, die Gesellschaft zu erleuchten, nicht die Macht zu stützen.

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