Greenpeace entdeckt Schadstoffe in Shein-Kleidung

Ein neuer Greenpeace-Report zeigt, dass in Kleidung und Schuhen von Shein Chemikalien über EU-Grenzwerten nachgewiesen wurden. Von 56 getesteten Produkten aus acht Ländern wiesen 18 Probleme auf, darunter Kinderbekleidung. Shein hat die betroffenen Artikel vorerst aus dem Verkauf genommen.

Greenpeace hat zwischen Mai und Juni 2025 insgesamt 56 Kleidungsstücke und Schuhe von Shein in acht Ländern bestellt, darunter Deutschland, Österreich, Portugal, Spanien, Schweden, die Schweiz, Israel und Thailand. Die meisten, 26 Teile, stammten aus Deutschland. Unter den Produkten befanden sich Schuhe, Kleider, Oberbekleidung und Pyjamas für Erwachsene sowie 17 Artikel für Kinder. Laut dem Report überschritten 18 der 56 Produkte die Grenzwerte der EU-Chemikalienverordnung REACH. Von den 42 in der EU gekauften Artikeln betraf ein Drittel dies, einschließlich Kinderbekleidung.

Besonders hoch waren die Konzentrationen von Weichmachern wie Phthalaten, die in 14 Produkten – davon 10 aus der EU – bis zu 200-fach über dem Grenzwert lagen. Phthalate können das Hormonsystem stören und das Wachstum von Kindern beeinträchtigen. Sieben Outdoorjacken wiesen erhöhte PFAS-Werte auf, eine sogar um das 3300-fache; fünf davon wurden in der EU bestellt. PFAS, sogenannte Ewigkeitschemikalien, reichern sich in Umwelt und Körper an und gelten als krebserregend. Sie sorgen in Outdoorkleidung für Wasser-, Öl- und Schmutzabweisung.

Auffällig war ein in Deutschland bestelltes Kinderkostüm mit Kleid, Korsage, Tüllrock und Tiara, das dem einer 2022er Untersuchung zum Verwechseln ähnlich sah. Damals fiel ein vergleichbares Kostüm durch Formaldehyd über dem Grenzwert durch, worauf Shein es entfernte. Das aktuelle Stück überschritt den Formaldehyd-Grenzwert um das 3,5-fache. Formaldehyd kann DNA-Schäden, Krebs und Reizungen verursachen und wird für knitterfreie Kleidung verwendet. In der Innensohle einer Sandale aus Deutschland lag Blei mehr als doppelt so hoch wie erlaubt.

Im Vergleich zu 2022, als 15 Prozent der getesteten Shein-Produkte Grenzwerte überschritten, hat sich der Anteil mehr als verdoppelt. Shein wuchs seitdem stark: Der Umsatz stieg von 23 Milliarden Dollar 2022 auf 38 Milliarden 2024. Auf Anfrage des SPIEGEL erklärte Shein, Produktsicherheit ernst zu nehmen und mit Prüfstellen zusammenzuarbeiten. Die Testergebnisse seien nicht vorab erhalten worden, die Artikel seien aber vorsorglich entfernt. Einige Produkte seien weiter auf anderen Plattformen verfügbar.

Moritz Jäger-Roschko, Greenpeace-Experte für Kreislaufwirtschaft, kommentierte: »Unsere Ergebnisse unterstreichen: Sheins freiwillige Selbstverpflichtung ist wertlos.« Er fordert ein Anti-Fast-Fashion-Gesetz. Frankreichs Senat brachte im Sommer ein solches Gesetz auf den Weg: Fünf Euro Gebühr pro Billigprodukt von Shein, Temu und AliExpress, plus Werbeverbot. Die EU plant zwei Euro Abgabe pro Paket aus Drittstaaten und Abschaffung der Zollfreigrenze unter 150 Euro, was Direktversand erschweren könnte. Ende Oktober fand die Stiftung Warentest zudem Schwermetalle in Temu- und Shein-Angeboten.

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