Erbe-Experten in Südkorea haben die Stadtregierung von Seoul am Montag aufgefordert, eine Heritage Impact Assessment für ein umstrittenes Neuentwicklungsprojekt in der Nähe des Jongmyo-Schreins, eines UNESCO-Weltkulturerbes, durchzuführen. Das Korean National Committee of the International Council on Monuments and Sites (Icomos Korea) schlug eine gemeinsame Überprüfung mit der Regierung der Metropole Seoul, dem Korea Heritage Service (KHS) und unabhängigen Experten vor, um Auswirkungen zu bewerten und Alternativen zu prüfen. Der Aufruf unterstreicht Spannungen zwischen lokalen und zentralen Behörden bezüglich der Bedrohung der historischen Integrität des Ortes durch das Projekt.
Am 24. November veröffentlichte das Korean National Committee of the International Council on Monuments and Sites (Icomos Korea) eine Erklärung, in der es eine Heritage Impact Assessment für das Neuentwicklungsprojekt Sewun District 4 in Seoul fordert, das direkt gegenüber dem Jongmyo-Schrein liegt. Im vergangenen Monat genehmigte die Stadtregierung von Seoul eine Erhöhung der Bauhöhengrenze auf 145 Meter – mehr als das Doppelte des vorherigen Limits.
Die Entscheidung hat zu einem Patt zwischen lokalen und zentralen Behörden geführt. Die Zentralregierung argumentiert, dass Ultrahochhäuser das historische Landschaftsbild des Schreins beeinträchtigen würden, während die Stadt meint, das Projekt würde die Umgebung durch einen großen Grünraum verbessern, ohne die Sicht zu schädigen. Der Jongmyo-Schrein beherbergt Ahnentafeln der königlichen Familie der Joseon-Dynastie (1392–1910) und wurde 1995 als UNESCO-Weltkulturerbe eingetragen.
In einer Erklärung, die nach einer Sitzung des Vorstands am Sonntag verabschiedet wurde, hieß es bei Icomos Korea: „Die Staatspartei, nämlich der Korea Heritage Service, sollte das UNESCO World Heritage Centre offiziell benachrichtigen und eine Wirkungsprüfung mit Beteiligung der Stadt Seoul, des KHS und von Experten durchführen.“ Das Komitee bezeichnete eine gemeinsame Bewertung und formelle internationale Konsultation als „die effektivste Lösung“ für den Streit, was seine erste offizielle Position zu dem Thema markiert.
Es stellte den Prozess als „ausgewogenes Verfahren, das auf wissenschaftlichen Beweisen, internationalen Standards, Zielen der Stadtentwicklung und Bedürfnissen der Gemeinschaft basiert“, dar und betonte, dass die Bewertung nicht darauf abziele, die Entwicklung zu stoppen, sondern als internationaler Standard für rationale Entscheidungsfindung zu dienen. „Worauf es jetzt ankommt, ist nicht, wer recht hat, sondern die ordnungsgemäße Aktivierung internationaler Verfahren“, hieß es.
Icomos, ein beratendes Gremium der UNESCO, bewertet Weltkulturerbe-Nominierungen und überwacht den Erhalt weltweit mit rund 10.000 Experten in mehr als 130 Ländern. Icomos Korea wurde 1999 gegründet und berät zur Erhaltung und Verwaltung des Kulturerbes im Land.