Die deutsche Rodel-Olympiasiegerin Julia Taubitz hat bei den Olympischen Winterspielen in Cortina d’Ampezzo Gold im Einsitzer geholt. Sie überwand damit ihre Enttäuschung aus Peking 2022 und komplettierte ihre Titel-Sammlung. Mit starken Läufen setzte sie sich gegen die Konkurrenz durch.
Julia Taubitz aus dem WSC Oberwiesenthal hat sich ihren größten sportlichen Erfolg gesichert. Die 29-Jährige stieß nach dem Rennen einen Jubelschrei aus und wurde von ihren Teamkolleginnen umarmt. Vor vier Jahren in Peking 2022 hatte sie als Topfavoritin im zweiten Lauf einen Sturz erlitten und wurde Siebte. Nun jubelte sie wie Max Langenhan im Männer-Einsitzer über den Olympiasieg.
Im Wettkampf startete Taubitz mit Startnummer 1 und fuhr im ersten Lauf Bahnrekord. „Ich finde die Bahn sehr gelungen und sehr gefühlvoll. Der Rhythmus der Kurven ist sehr schön, man kann toll mit dem Schlitten runtertanzen“, sagte sie. Merle Fräbel überbot diesen Rekord kurz darauf, doch Taubitz konterte im zweiten Durchgang und führte zur Halbzeit. Im dritten Lauf fuhr Fräbel schwere Fehler, darunter eine Bandenberührung, und fiel auf Platz acht. Taubitz setzte im vierten Lauf sicher nach und gewann mit Vorsprung. Silber ging an Elina Bota aus Lettland mit fast einer Sekunde Rückstand, Bronze an Ashley Farquharson aus den USA. Anna Berreiter aus Berchtesgaden wurde Sechste.
Mit dem Gold ist Taubitz’ Sammlung komplett: acht WM-Titel, EM-Gold und fünf Weltcup-Gesamtsiege. „Ich habe mir schon in sehr jungen Jahren meine sportlichen Ziele gesetzt. Die bestanden aus dem Gesamtweltcupsieg, dem Weltmeistertitel und dem Olympiasieg“, erklärte die Erzgebirgerin. Die deutsche Goldserie bei den Frauen hält seit 1998 mit Siegen von Silke Kraushaar-Pielach, Sylke Otto, Tatjana Hüfner und Natalie Geisenberger.
Taubitz verarbeitete den Peking-Sturz: „Ich habe lange gebraucht, um diesen Rückschlag zu verarbeiten. Rückblickend bin ich dankbar für diese Erfahrung.“ Im Ziel feierten rund 80 Fans aus Deutschland mit ihr, die per Bus angereist waren, sowie ihre Mutter Simone, Sprinterin Gina Lückenkemper und Model Lena Gercke. Die Geschwindigkeiten im neu gebauten Eiskanal erreichten fast 120 km/h. Taubitz, die sich als Adrenalinjunkie bezeichnet, plant, bald Motorradrennen auszuprobieren, und genießt Surfen in Frankreich mit ihrem Wohnmobil.