Linus Straßer, der 33-jährige Münchner und Vater von zwei Kindern, ist der einzige ernsthafte Medaillen-Kandidat der deutschen Alpin-Männer im Slalom bei den Olympischen Winterspielen 2026. Nach seinem zehnten Platz im Team-Event in Bormio reiste er nach Hause, um Zeit mit der Familie zu verbringen. Der Skifahrer denkt über den Sport hinaus und kritisiert das Olympia-Feeling.
Linus Straßer ist eine Ausnahme im Alpin-Zirkus. Der 33-Jährige aus München, der für den TSV 1860 fannt, priorisiert Familie und persönliche Entwicklung neben dem Skifahren. Nach dem Team-Event in Bormio, wo er mit Simon Jocher den zehnten Platz belegte, fuhr er nach Hause, um die Pause vor dem Slalom am Montag mit seinen zwei kleinen Kindern zu verbringen.
Straßer wechselte vor der olympischen Saison von Rossignol zu Head-Skis, da ihm der Alltag zu eintönig wurde. Die Ergebnisse sind seither durchwachsen. „Ich habe eine neue Herausforderung gebraucht, weil es sich anfühlte, als hätte ich schon alles gesehen“, sagte er. „Wenn ich da durchkomme, macht mich das stärker. Nicht nur fürs Skifahren, sondern wirklich im Leben. Mental und für die Persönlichkeitsentwicklung.“
Trotz des Wechsels zeigte er Stärke: Dritter Platz im Weltcup-Slalom in Kitzbühel 2024, sein größter Sieg in dieser Disziplin. Bei den Olympischen Spielen 2022 in Peking gewann er Silber im Team-Event mit Emma Aicher und anderen. 2025 holte er WM-Bronze in Saalbach, die ihm aufgrund der besseren Stimmung in Österreich mehr bedeutet als olympische Erfolge.
Straßer ist kritisch gegenüber den Winterspielen. Er vermisst das Olympia-Feeling, wie in Pyeongchang und Peking, und nannte den Slalom-Hang in Bormio eine „Skiwiese“. „Das war der leichteste Slalomhang, den ich jemals auf diesem Niveau gefahren bin. Das kann jeder hier. Aber das werden wir annehmen.“ Dennoch will er als „Leistungssportler durch und durch“ eine Medaille. Es wird sein letzter olympischer Auftritt sein. „Skifahren ist nicht mein Leben, es ist ein Teil meines Lebens. Ich freue mich auch irgendwann mal auf das, was nach meiner Karriere kommt und habe überhaupt keine Angst davor.“