In der neuen Folge 'Überlebe wenigstens bis morgen' des Stuttgarter Tatorts inszeniert eine junge Frau ihren Suizid als Mord, um ihre Freundin zu belästigen. Die Ermittler Lannert und Bootz rätseln lange um einen vermeintlichen Tötungsdelikt. Die Episode wird für ihre sensible Thematik gelobt, aber in Ausführung kritisiert.
Die ARD-Krimiserie Tatort aus Stuttgart kehrt mit der Folge 'Überlebe wenigstens bis morgen' zurück, die von der Redaktion Brigitte Dithard stammt und von Milena Aboyan inszeniert wurde. Die Handlung dreht sich um Nelly Schlüter, dargestellt von Bayan Layla, eine Frau um die 30, die ihren Suizid als Mord tarnt. Ziel ist es, ihre ehemalige beste Freundin Fine, gespielt von Trixi Strobel, vor deren Hochzeit mit Niclas (Louis Nitsche) mit Untersuchungen zu belasten. Die Leiche wird jedoch erst spät entdeckt, was die Ermittlungen verzögert.
Die Kommissare Thorsten Lannert (Richy Müller) und Sebastian Bootz (Felix Klare) behandeln den Fall zunächst als Whodunit. Verdächtig wirkt Nellys Ex-Freund Felix Vietze (Malik Blumenthal), der als unsympathisch gezeichnet wird. Über ein 'Einsamkeitsforum' führt die Spur zu Rike Singer (Melanie Straub), einer ehemaligen Mitarbeiterin der Gründerin (Lana Cooper). Singer, die selbst keinen Suizid vollbringen kann, treibt nach der Story andere in den Tod – eine Konstruktion, die als gewagt gilt.
Mitten im Film wird ein Hinweis auf Hilfsangebote für Suizidgedanken eingeblendet, um sensible Themen zu schützen. Dennoch fällt die Auflösung mit der 'Halbschuld' von Singer unbefriedigend aus. Die Charaktere bleiben flach; Rückblenden zeigen Nelly allein in einer altmodisch eingerichteten Wohnung (Szenenbild: Anette Reuther). Das Kostümbild von Tanja Gierich wirkt widersprüchlich, und Dialoge greifen auf Klischees zurück, wie der weitschweifige Rechtsmediziner Jürgen Hartmann (Jürgen Hartmann) oder Bemerkungen zur Digitalkultur.
Eine neue Kollegin, Elvira Möbius (Daniela Holtz), spricht breiten Dialekt und singt das titelgebende Lied von Gundermann. Sie verkörpert eine absurde Figur, die zwischen Komik und Ernst oszilliert und oft peinlich wirkt. Die Musik stammt von Kilian Oser. Insgesamt mangelt es der Episode an Überzeugungskraft, trotz des Potenzials des Formats in einer fragmentierten Medienlandschaft.