Ein 17-Jähriger wurde in Lahr im Schwarzwald festgenommen, nachdem er versucht hatte, eine israelische Flagge bei einer Gedenkveranstaltung zur Reichspogromnacht anzuzünden. Die Polizei nahm zudem einen 32-Jährigen wegen Beleidigungen der Teilnehmer fest und fahndet nach einem dritten Unbekannten. Niemand wurde verletzt.
Am Sonntag versammelten sich rund 15 Personen mit israelischen Flaggen im Friedrich-Ebert-Park in Lahr im Schwarzwald, um der Opfer der Novemberpogrome von 1938 zu gedenken und zu beten. Die Pogromnacht am 9. November 1938 sah in ganz Deutschland brennende Synagogen, geplünderte und zerstörte Geschäfte sowie Misshandlungen, Verhaftungen und Morde an Jüdinnen und Juden.
Eine Gruppe junger Männer, die zufällig auf die Veranstaltung aufmerksam geworden war, störte die Zusammenkunft durch lautstarke Rufe und Beleidigungen. Im Verlauf entwendete der 17-Jährige eine Flagge und versuchte, sie in Brand zu setzen. Die Polizei teilte mit, dass der Jugendliche im Zuge einer Fahndung festgenommen wurde. Der 32-Jährige wurde ebenfalls festgehalten, da er die Teilnehmer beleidigt haben soll. Ein dritter Mann, der eine weitere Flagge beschädigt haben soll, bleibt unbekannt und wird gesucht.
In einem breiteren Kontext warnte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in einer Feierstunde vor rechtsextremen Kräften und Antisemitismus. Er sagte: „Die deutsche Demokratie werde derzeit von einem russischen Aggressor und rechtsextremen Kräften im Land bedroht.“ Ähnliche Vorfälle ereigneten sich auch anderswo, etwa in Pasewalk in Mecklenburg-Vorpommern, wo Unbekannte eine Gedenktafel an die ehemalige Synagoge beschmiert haben.