In einer TV-Debatte vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg hat Cem Özdemir von den Grünen den CDU-Spitzenkandidaten Manuel Hagel vor Vorwürfen wegen eines alten Videos in Schutz genommen. Die Debatte zwischen Hagel, Özdemir und AfD-Kandidat Markus Frohnmaier fand im SWR statt, während draußen gegen die AfD-Teilnahme protestiert wurde. Die Umfragen sehen eine knappe Lage zwischen CDU und Grünen.
Die Landtagswahl in Baden-Württemberg am 8. März 2026 rückt näher, und der Wahlkampf heizt sich zu. Am Dienstagabend diskutierten die Spitzenkandidaten Manuel Hagel (CDU), Cem Özdemir (Grüne) und Markus Frohnmaier (AfD) in der SWR-Sendung „Die Debatte – wer überzeugt Baden-Württemberg?“. FDP, SPD und Linke waren nicht eingeladen, da sie in Umfragen zu schwach abschneiden. Aktuelle Umfragen geben der CDU 28 Prozent, den Grünen 22 Prozent und der AfD 20 Prozent. Mögliche Koalitionen wären Schwarz-Grün oder eine Fortsetzung von Grün-Schwarz.
Vor dem Studio in Stuttgart protestierten Dutzende Menschen gegen die Teilnahme des AfD-Kandidaten Frohnmaier. In der Debatte blieb es bei vagen Positionen, etwa zur Wirtschaft. Gegen Ende warf Frohnmaier ein altes Video von Hagel auf: Ein Clip aus dem Frühjahr 2018 zeigt Hagel, damals 29-jähriger CDU-Generalsekretär, in einem Interview für „Auf ein Bier mit“. Er beschreibt einen Schulbesuch an einer Realschule, wo 80 Prozent der Schülerinnen Mädchen waren. „Also da gibt’s für 29-jährige Abgeordnete schlimmere Termine als diesen“, sagte er und fuhr fort: „Ich werd’s nie vergessen, die erste Frage, sie hieß Eva, braune Haare, rehbraune Augen.“
Das Video wurde kürzlich von Grünen-Abgeordneter Zoe Mayer auf X gepostet. Sie kritisierte: „Was meint ein erwachsener Mann damit, dass es ein besonders schöner Termin ist, wenn er in einem Klassenzimmer mit maximal 16-Jährigen sitzt?“ Hagel reagierte: „Der Einstieg für dieses Interview 2018 war Mist. Meine Frau hat mir damals direkt den Kopf gewaschen. Frau Dr. Mayer kommt damit jetzt 12 Tage vor der Landtagswahl acht Jahre zu spät.“
Frohnmaier fragte Özdemir, ob er trotz des Videos eine Zusammenarbeit mit der CDU sehe. Özdemir verteidigte Hagel: „Ich bin mir sicher, Herr Hagel würde das heute nicht mehr so formulieren. Im Übrigen sind wir uns glaube ich einig, dass man Frauen so beurteilen sollte, wie man Männer beurteilt: nach ihrer Leistung, nach nichts anderem.“ Er betonte Fairness im Wahlkampf und räumte Hagel Wort ein, der den Kontext erklärte: Die Schülerin Eva hatte Politikerreden kritisiert, und er sprach später mit ihr. Özdemir schloss: „Hagel habe gesagt, dass er das so heute nicht mehr sagen würde. Und das gilt für mich.“