Die Bundeswehr muss ein zentrales Digitalprojekt verschieben. Die neue SAP-Software S/4Hana für Verwaltung, Material und Logistik sollte Ende Oktober starten, geht aber erst im zweiten Quartal 2026 online. Grund sind technische Probleme und mangelnde Einsatzreife.
Die Bundeswehr steht vor weiteren Herausforderungen bei der Digitalisierung. Nach Problemen beim Digitalfunk-Projekt verzögert sich nun die Umstellung auf eine neue cloudbasierte Plattform von SAP. Das System S/4Hana sollte am 27. Oktober live gehen, doch aufgrund "abnahmeverhindernder Probleme" verschiebt sich der Start für viele IT-Anwendungen auf das zweite Quartal 2026, wie eine vertrauliche Vorlage des Verteidigungsministeriums ergibt.
Das bisherige System SASPF, seit 2009 im Einsatz, wickelt die gesamte Logistik ab – von Rüstungseinkäufen über Ersatzteile bis hin zur Überwachung der Einsatzbereitschaft von Panzern und Generatoren. Auch Personalangelegenheiten wie Krankheitsstände und Besoldung laufen darüber. SAP begrenzt die Standardwartung auf Ende 2027; danach drohen Mehrkosten und ein Ende bis 2030. Die Modernisierung war daher dringend notwendig.
Tests mussten verlängert werden, und ein interner Bericht aus September spricht von "mangelhafter Funktionalität" und "nicht ausreichender Einsatzreife". Der SAP-Vorstand räumte im August eine "mangelnde Softwarequalität" ein und empfahl den Aufschub ins Frühjahr 2026. "Die fehlerfreie Weitergabe von Daten kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht verlässlich sichergestellt werden", heißt es in der Ministeriumsvorlage.
Der Abteilungsleiter für Rüstung und Organisation nannte die Verschiebung "zwingend erforderlich" und schlug eine vage Formulierung für den neuen Termin vor, um Flexibilität zu wahren. Die Verzögerung soll zudem Akzeptanz in der Truppe steigern, da Vorbehalte bestehen. Eine Sprecherin des Ministeriums bestätigte den "Nachbesserungsbedarf", betonte aber, dass das Personalwirtschaftssystem bereits umgestellt ist und der Betrieb ungestört weiterläuft. Der Hersteller wird nicht haftbar gemacht.
Dies ist die zweite große Digitalbaustelle: Der Heer-Chef bezeichnete kürzlich den Fortschritt beim Digitalfunk als "nicht zufriedenstellend" nach einem Test in Munster.