Die deutsche Curling-Mannschaft verpasste in Cortina eine Medaille, sorgte aber für einen Hype in Deutschland. Bundestrainer Uli Kapp hofft, dass diese Begeisterung anhält und neue Talente entdeckt werden. Er betont die Notwendigkeit besserer Infrastruktur für den Sport.
Die Olympischen Winterspiele in Cortina d2026 haben in Deutschland einen unerwarteten Hype um Curling ausgelöst, obwohl die Mannschaft um Marc Muskatewitz keine Medaille gewann. Videos von Selbstversuchen im Internet gingen viral und begeisterten sogar die Athleten vor Ort. „Die große Aufmerksamkeit, die wir in Deutschland erhalten haben, war super. Diesen Zuspruch nehmen wir sehr gerne mit“, sagte Bundestrainer Uli Kapp im Gespräch mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).
Kapp, der 1998 in Nagano als Spieler teilnahm, erinnert sich an ähnliche Euphorie-Phasen. Damals wurde Curling verspottet, doch in Salt Lake City 2002 und Turin 2006 wuchs das Interesse. Der deutsche Verband nutzte den Hype damals nicht aus, was Kapp rückblickend bedauert. Diesmal soll es anders laufen.
Zur Entdeckung von Talenten rät der 54-jährige aus Füssen, dem Zentrum des deutschen Curlings: Keine speziellen körperlichen Voraussetzungen sind nötig, jeder kann einsteigen. „Zum Einstieg reicht schon eine halbe Stunde, um ein Gefühl für den Sport zu bekommen“, erklärt er. Geeignet sind Personen mit Freude an Präzision und Strategie, die athletisch und technisch trainiert sind. „Ein generell gut ausgebildeter Sportler, egal ob Skifahrer, Ballspieler oder Turner, findet auch den Einstieg zum Curling. Und wer mit 14, 15 Jahren anfängt, hat immer noch gute Chance, bis in die Weltspitze zu kommen“, sagt Kapp, der selbst mit elf begann.
Curling erfordert Eisbahnen, Steine und markierte Felder, die in deutschen Hallen verfügbar sind. Fehlend ist jedoch eine soziale Infrastruktur wie bei Bowling oder Tennis. Zentren existieren in Füssen, Oberstdorf, Rastatt und Hamburg. Kapp wünscht einen Standort im Zentrum Deutschlands und Investoren für Multisportkomplexe, inspiriert von der Schweiz und den USA nach ihrem Sieg 2018. Die Mannschaft beendete die Spiele auf Platz sieben, was zufriedenstellend war. „Natürlich hoffen wir, dass es nicht nur ein Strohfeuer ist“, betont Kapp.