Bei der U17-Weltmeisterschaft in Katar hat die deutsche Mannschaft das neue Challenge-System der Fifa erstmals eingesetzt. Trainer Marc-Patrick Meister forderte eine Überprüfung eines Abseitsverdachts nach dem Ausgleich der Kolumbianer, was zu einer Bestätigung des Tores führte. Das System soll den Videobeweis für kleinere Turniere zugänglicher machen.
Die deutsche U17-Nationalmannschaft startete am Dienstag in die Titelverteidigung bei der WM in Katar mit einem 1:1 gegen Kolumbien. Nach dem Ausgleichstreffer der Kolumbianer zog Trainer Marc-Patrick Meister die Blaue Karte, um eine mögliche Abseitsstellung prüfen zu lassen. Schiedsrichter Hamza El Fareq überprüfte die Szene am Monitor und entschied schnell, dass kein Abseits vorlag – der Treffer zählte.
Das vom Weltverband Fifa als »Football Video Support« (FVS) bezeichnete System erlaubt Trainern je zwei Challenges pro Spiel. Diese können für Tore, Elfmeter, Platzverweise oder verwechselte Spieler eingesetzt werden. Die Blaue Karte muss dem vierten Offiziellen zeitnah gezeigt werden, ohne dass auf der Bank Videos analysiert werden dürfen. Bei unrechtmäßigem Einsatz verliert der Trainer eine Challenge; bei Revision bleibt sie erhalten. Der Schiedsrichter prüft allein mit Hilfe eines Operators, der TV-Bilder aus Stadionkameras liefert – ohne Videoassistenten oder Abseitslinien.
Die Fifa testet das System, da es kostengünstiger ist als der volle VAR für große Ligen. Erste Einsätze gab es 2021 bei der Futsal-WM, 2024 bei der U20-Frauen-WM und 2025 bei der U20-Männer-WM. Auch in der italienischen Serie C und der spanischen Frauen-Liga wird es genutzt. Stärken: Es verlagert Verantwortung zu Trainern und reduziert Eingriffe, was den Spielfluss schont. Schwächen: Weniger Technik führt zu längeren Reviews; in Spanien übernimmt nun der vierte Offizielle, um Zeit zu sparen. Beim U20-Finale 2025 dauerte eine Überprüfung sechs Minuten.
Ob FVS den Fußball gerechter macht, ist offen; fehlende Challenges in entscheidenden Momenten könnten problematisch sein. Die Fifa sieht es als Ergänzung zum VAR, nicht als Ersatz. In Deutschland äußerte Schiedsrichter-Chef Knut Kircher sich positiv: »Wir als Schiedsrichter sind allem gegenüber aufgeschlossen, was dem Fußball guttut.« Eine Einführung in der Frauen-Bundesliga oder 3. Liga ist denkbar, in der Bundesliga unwahrscheinlich ohne Fifa-Zustimmung.