Der brasilianische Schriftsteller Raduan Nassar wird am 27. November 90 Jahre alt, und sein Werk 'Lavoura Arcaica', vor einem halben Jahrhundert veröffentlicht, stellt weiterhin Gewissheiten und soziale Strukturen in Frage. Sohn libanesischer Einwanderer vermengt Nassar vielfältige literarische Einflüsse in einer Erzählung, die die patriarchale Ordnung sprengt. Seine radikale Literatur erscheint in Zeiten der Polarisierung noch relevanter.
Raduan Nassar, einer der führenden Schriftsteller Brasiliens, wird am 27. November 90 Jahre alt. Trotz seiner Behauptung, dass 'es keine künstlerische oder literarische Schöpfung gibt, die eine Hühnerzucht wert ist', bleibt sein Werk einflussreich. Vor 50 Jahren veröffentlicht, ist 'Lavoura Arcaica' ein Bildungsroman, unterteilt in 'Die Abreise' und 'Die Rückkehr', inspiriert von der Struktur der 'Odyssee' und der orphischen Tradition, mit einem Epigraph von Jorge de Lima: 'Welche Schuld haben wir an dieser Pflanze der Kindheit / für ihre Verführung, ihre Kraft und Beständigkeit?'.
Sohn libanesischer Einwanderer, die 1920 in Brasilien ankamen, erzählt Nassar in der Ich-Form eine Geschichte, die seiner Biografie nahekommt, aber durch literarische Pfropfreislinge vermittelt wird. Einflüsse umfassen die Bibel, den Koran, 'Tausendundeine Nacht', Thomas Mann, Walt Whitman und André Gide. Die Erstausgabe enthielt Autorennotizen und eine Widmung an seinen Vater, die auf seinen Wunsch in späteren Ausgaben entfernt wurden, zusammen mit der Genreangabe.
2016 erhielt Nassar den Camões-Preis, den wichtigsten in portugiesischer Sprache. Eine neue vollständige Ausgabe von Companhia das Letras stellte die Notizen wieder her. Sein letztes Buch, 'A Cup of Wrath', erschien 1978, danach widmete er sich der Landwirtschaft, die er der Bundesuniversität São Carlos spendete. Bei der Camões-Zeremonie 2017 kritisierte er die Amtsenthebung von Dilma Rousseff und die Temer-Regierung.
In den 1960er- und 1970er-Jahren während des Kalten Krieges geschrieben, erkennt der Roman die Schwierigkeit, der Macht zu widerstehen, ohne sie zu verstärken. Der Zusammenstoß zwischen Sohn und Vater sprengt die patriarchale Ordnung und verwendet extreme Handlungen wie Inzest und Zorn, um Gepflogenheiten zu erschüttern, im Stil der griechischen Kyniker. Wie Sabrina Seldmayer in 'On the Left Side of the Father' (1997) erklärt, evoziert die 'ungebremste' Äußerung eine ursprüngliche Sprache. Das tragische Ende mit dem zerstörten Haus schafft die Ursprünge aus der Gegenwart neu und hallt wider: 'das Vieh geht immer zum Brunnen'.