Die 34-jährige ARD-Korrespondentin Sophie von der Tann wird nach der Vergabe des Hanns-Joachim-Friedrichs-Preises von proisraelischen Aktivisten scharf angegriffen. Die Kritik, die eine Mahnwache vor dem Kölner Funkhaus auslöst, wird als wutschäumend, aber ohne Belege beschrieben. Jurymitglied Christoph Reuter verteidigt ihre unerschrockene Berichterstattung über den Nahostkonflikt.
Sophie von der Tann, ARD-Korrespondentin für Israel und die palästinensischen Gebiete, erhält den Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis für ihre Beiträge zum Hamas-Angriff am 7. Oktober, zum israelischen Krieg in Gaza und zu inneren Spaltungen in Israel. Der Preis wird am Donnerstag zusammen mit Kollegin Katharina Willinger verliehen, die über Türkei und Iran berichtet. Christoph Reuter, Jurymitglied und selbst Preisträger von vor drei Jahren für Ukraine-Reportagen, lobt von der Tanns klare und unerschrockene Arbeit unter schwierigen Bedingungen.
Trotzdem ist sie Ziel einer Kampagne proisraelischer Aktivisten. Die 'Jüdische Allgemeine' nennt die Ehrung 'nicht nur grundfalsch, sondern auch aberwitzig'. Deutsch-israelischer Reserveoffizier Arye Shalicar bezeichnet sie als 'das Gesicht vom neu-deutschen Juden- und Israelhass'. Israels Botschafter Ron Prosor rät ihr, den Job zu wechseln, falls sie Aktivistin sein wolle. Zwölf Initiativen rufen zu einer Mahnwache vor dem Kölner Funkhaus auf, um die Auszeichnung zu verhindern.
Die Angriffe basieren auf einem 'Welt'-Bericht, der anonyme Quellen zitiert: Von der Tann habe in einem Gespräch mit Antisemitismusbeauftragtem Ludwig Spaenle den Hamas-Angriff als mit 'Vorgeschichte' versehen beschrieben. Andere Teilnehmer erinnern sich nicht an einen Eklat; Spaenle soll den offenen Dialog gelobt haben. Reuter betont, dass der Konflikt Jahrzehnte zurückreicht, ohne das Massaker zu rechtfertigen.
In einem ARD-Kommentar zum 60. Jahrestag der deutsch-israelischen Beziehungen kritisierte von der Tann Deutschlands Unterstützung für Netanyahus Regierung trotz Haftbefehls und Völkermordvorwürfen. Sie forderte Stärkung des Völkerrechts. Solche Positionen werden als 'nassforsch' diffamiert, doch Reuter sieht darin maßvolle Analyse, nicht Hass. Die Kampagne bedroht die Pressefreiheit, plädiert er für mehr Berichterstattung vor Ort.