Emily Wilson, bekannt für ihre Übersetzung der Odyssee, hat in der London Review of Books eine kritische Rezension zu Christopher Nolans Filmadaption veröffentlicht. Sie äußerte sich beschämt über Teile des Drehbuchs, erkannte dem Film jedoch einen gewissen Unterhaltungswert an.
Wilson merkte an, dass Nolan ihre Übersetzung in Interviews zwar zitierte, sie sich jedoch schämen würde, einen Teil des Drehbuchs geschrieben zu haben. Sie beschrieb den 250-Millionen-Dollar-Film als unterhaltsames Spektakel, das zwar für Familien geeignet sei, dem es jedoch an narrativer und emotionaler Tiefe mangele. Die Wissenschaftlerin lobte Nolans Einsatz der Binnenerzählungsstruktur, kritisierte jedoch die vereinfachten Charaktere. Sie sagte, Matt Damons Odysseus sei von Angst und Schuldgefühlen statt von Klugheit motiviert, und Anne Hathaways Penelope habe im Drehbuch kaum etwas zu tun. Wilson kritisierte zudem die Werte des Films, die Homers Gedicht widersprächen, sowie die Entscheidung, in der Westsahara zu drehen. Sie bezeichnete Robert Pattinsons Darstellung des Antinoos als oscarwürdig und stellte fest, dass die Veröffentlichung das Publikum wieder zurück in die Kinos bringe.