In einer Tribüne in Le Monde analysiert der Politikwissenschaftler François Hourmant ironisch die Lektüren, die Nicolas Sarkozy bei seiner Eintritt ins Gefängnis gewählt hat: Der Graf von Monte Christo und eine Biografie Jesu. Er sieht darin eine sakrale und verschwörungstheoretische Inszenierung und vergleicht den ehemaligen Präsidenten mit Edmond Dantès und Christus. Diese Strategie passt in die französische Tradition der 'Literarisierung der Macht'.
Alles ist über die Inszenierung des Eintritts von Nicolas Sarkozy ins Gefängnis La Santé gesagt worden: ein Kreuzweg und ein papiermäßiges Golgatha mit den zwei Bänden von Der Graf von Monte Christo von Alexandre Dumas und einer Biografie Jesu. Wie der Politikwissenschaftler François Hourmant in seiner Tribüne in Le Monde vom 26. Oktober 2025 erklärt, stellt sich Sarkozy als Opfer einer justiziellen Verschwörung und unerbittlicher Richter dar, die als 'Hass' gegen ihn beschrieben werden. Wie Edmond Dantès ist er zu Unrecht inhaftiert; wie Christus leidet er für andere.
Diese sakrale Dimension, die der präsidentiellen Rhetorik innewohnt, nimmt einen verschwörungstheoretischen Ton an, eine Konzession an zeitgenössische illiberale Populismen und soziale Netzwerke. Hourmant bemerkt, dass die Literatur erneut in die Politik eintritt, nicht mehr nur um die Ambitionen der Gewählten mit einem kulturellen Pantheon zu verbinden, sondern um ein Erbe zu schmieden.
Er erinnert an historische Beispiele: Valery Giscard d'Estaing, der sich mit Maupassant in Apostrophes verglich, François Mitterrand, der den 'lamartinischen Schauer' erwähnte, Emmanuel Macron, der mit Werken von Stendhal, Gide und de Gaulle an seinem Schreibtisch posierte. Charles de Gaulle meißelte sein Erbe in seinen Memoiren und vereinte politische und literarische Größe. Laut Historiker Christian Jouhaud hat diese 'Literarisierung der Macht' Frankreich seit dem Ancien Régime zu einer 'literarischen Nation' gemacht.
Diese 'Beichtzeremonien' idealisieren die Macht durch erbauliche Lektüren und 'literarischen Snobismus', wie Jean-François Revel in seinem Essay über de Gaulle es darstellte. Sarkozy fördert so eine neue Figur: die des zu Unrecht inhaftierten Schriftsteller-Präsidenten, der kulturelle Distinktion und Viktimisierung vermischt.