Der Dokumentarfilm „The Last Critic“ unter der Regie von Matty Wishnow feierte im Wettbewerb für Dokumentarfilme beim SXSW Premiere und bietet ein intimes Porträt von Robert Christgau, dem selbsternannten Doyen der amerikanischen Musikkritik. Der heute 83-jährige Christgau setzt seine typischen „Consumer Guide“-Rezensionen nach jahrzehntelanger Tätigkeit bei der Village Voice nun auf Substack fort. Der Film beleuchtet seine besessene Art, Alben mit Noten von A+ bis E- zu bewerten.
Robert Christgau, geboren 1942, leistete Pionierarbeit in der Musikkritik mit seinen eigenwilligen, bewerteten Kurzrezensionen, die ab 1969 im Esquire erschienen. Er brachte den „Christgau’s Consumer Guide“ zur Village Voice, wo er in den 1970er bis 1990er Jahren zu einem festen Bestandteil wurde. Bekannt für seinen beißenden Witz, erntete er Anerkennung von Künstlern wie Lou Reed und Sonic Youth für seine präzisen Urteile, etwa zu Prince’ „Dirty Mind“ und Bryan Adams’ „Reckless“. Christgau lebt mit seiner Frau Carola Dibbell in einem Apartment im New Yorker East Village, das mit 36.000 Vinylplatten, CDs und Kassetten auf maßgefertigten Regalen gefüllt ist. Er tippt seine Kritiken auf einem alten Textverarbeitungsprogramm und kommentiert seine 14.000 Rezensionen mit dem Satz: „Zum ewigen Spruch ‚Meinungen sind wie Arschlöcher – jeder hat eins‘ sage ich nur: Aber nicht jeder hat zehntausend davon.“ Der 83-minütige Film fängt Christgaus tägliches Ritual des Hörens und Schreibens ein, selbst nach einer Operation, und porträtiert die Kritik als seine lebenslange Berufung. Mitwirkende wie Greil Marcus, Ann Powers, Amanda Petrusich und andere loben seinen Einfluss und heben seine Rolle bei der Diversifizierung der Musikberichterstattung der Village Voice hervor. Christgau kritisiert Marcus in Bezug auf Hip-Hop mit den Worten: „Ich glaube nicht, dass er Hip-Hop fühlt... Und ich denke, das hängt davon ab, ob man James Brown fühlt. Und das ist eine echte Lücke.“ Der von Matty Wishnow unter der Produktion von Paul Lovelace, Ben Wu und Joe Levy gedrehte Dokumentarfilm wurde am 25. März beim SXSW gezeigt.