Trumpf-chefin Leibinger-Kammüller plädiert für besonnene AfD-Debatte

Die Vorstandsvorsitzende von Trumpf, Nicola Leibinger-Kammüller, fordert in der Debatte um die AfD-Brandmauer Besonnenheit statt Empörung. Sie sieht keinen Grund für einen sofortigen Austritt aus dem Verband der Familienunternehmer. Stattdessen betont sie die Notwendigkeit besserer Politik, um reale Probleme anzugehen.

In einem Interview mit der Stuttgarter Zeitung äußert sich Nicola Leibinger-Kammüller, Vorstandsvorsitzende des Werkzeugmaschinenbauers Trumpf mit Sitz in Ditzingen, Baden-Württemberg, zur hitzigen Diskussion um den Umgang des Verbands Die Familienunternehmer in Deutschland mit der AfD. Der Weltmarktführer für Industrielaser betont, keinerlei Sympathien für die Partei zu hegen und eine tiefe Abscheu vor den Äußerungen ihrer Spitzenvertreter zu empfinden. Dennoch rät sie von emotionalen Reaktionen ab: »In solchen Situationen neige ich dazu, erstmal abzuwarten, ein Glas Rotwein zu trinken, von den emotionalen Höhen herunterzukommen und dann erneut zu überlegen, ob das ein sinnvoller Schritt ist.«

Der Verband unter Präsidentin Marie-Christine Ostermann hat kürzlich beschlossen, AfD-Vertreter zu Veranstaltungen einzuladen, um inhaltlich auseinanderzusetzen. Ostermann, die seit Jahren einen »bewundernswerten Job« mache, argumentiert, dass die AfD-Weltanschauung nicht zur freiheitlichen und marktwirtschaftlichen Überzeugung der Mitglieder passe, die Ignorierstrategie der Brandmauer jedoch wirkungslos sei. Bei einem parlamentarischen Abend am 8. Oktober in der Deutschen Bank in Berlin nahm Leif-Erik Holm, wirtschaftspolitischer Sprecher der AfD im Bundestag und Kandidat für das Amt des Ministerpräsidenten in Mecklenburg-Vorpommern, teil.

Der Kurswechsel spaltet den Verband, der rund 6500 Familienunternehmen vertritt – darunter Betriebe mit mindestens zehn Mitarbeitern und einem Umsatz von einer Million Euro. Während einige Zustimmung signalisieren, warnen westdeutsche Mittelständler vor einem Bruch der Brandmauer; Unternehmen wie Fritz-Cola, Rossmann und Vorwerk treten aus. Boykottaufrufe zielen auf dm ab, dessen Chef Christoph Werner die Position unterstützt hatte. Dm reagierte: Politische Debatten seien »mit Sorgfalt« zu führen; Kritik bestätige die Wichtigkeit differenzierter Auseinandersetzung.

Leibinger-Kammüller, die selbst nie AfD-Vertreter eingeladen hat, hält ein Parteiverbot für zu spät. Man könne nicht alle AfD-Wähler verdammen, besonders lokal, wo der Mittelstand wie Trumpf in Sachsen verankert sei. Stattdessen müsse die Politik Probleme wie Überregulierung, Bürokratie, hohe Lohnnebenkosten, steigende Krankenkassenbeiträge und das Gefühl der Bevormundung angehen, damit Menschen sich ernst genommen fühlen.

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