Der Deutsche Schachbund (DSB) steht vor neuem internem Konflikt, nachdem ein Antrag auf einen vorzeitigen außerordentlichen Kongress abgelehnt wurde. Präsidentin Ingrid Lauterbach bleibt bis August 2026 im Amt, was die Regionalverbände dazu veranlasst, rechtliche Schritte in Erwägung zu ziehen. Dies geschieht inmitten anhaltender Spannungen um Führung und Finanzen.
Der Deutsche Schachbund (DSB), einer der größten Schachverbände der Welt mit über 97.000 Mitgliedern, ist seit Jahren von internen Streitigkeiten geplagt, trotz Erfolgen auf internationaler Bühne. Großmeister Vincent Keymer, 21 Jahre alt, hat sich zur Weltnummer vier aufgerückt und ist der zweithöchstrangierte Europäer nach Norwegens Magnus Carlsen. Im September sicherte sich Großmeister Matthias Bluebaum mit Platz zwei beim Grand Swiss einen Startplatz beim FIDE Candidates Tournament 2026. Deutschland veranstaltete zudem die erste Freestyle Chess World Championship in Weissenhaus an seiner Nordküste. Der Kern des aktuellen Zwists ist DSB-Präsidentin Frau Internationale Meisterin Ingrid Lauterbach, die 2023 als erste Frau an die Spitze der 146 Jahre alten Organisation gewählt wurde. Sie wurde im Juni 2025 mit knapper Mehrheit von 116 zu 103 Stimmen wiedergewählt, inmitten von Kritik an ihrem Führungsstil und der Kommunikation mit den Regionalverbänden. Die Spannungen eskalierten später im Jahr nach der Entlassung der langjährigen Geschäftsführerin Anja Gering und Auseinandersetzungen im Präsidium. Im Herbst forderten fünf Regionalverbände – Baden, Berlin, Hamburg, Schleswig-Holstein und der Deutsche Fernschachbund – ein Misstrauensvotum und einen außerordentlichen Kongress zur Neuwahl der Führung. Es wurde ein Kompromiss erzielt, wonach Lauterbach auf einem Sondereinberufenen Kongress im August 2026 zurücktritt. Die Lage verschärfte sich im Februar 2026, als Finanzvizepräsident Alexander von Gleich zurücktrat und auf Streitigkeiten bei der Finanzplanung und der internen Kommunikation hinwies. Die rebellischen Verbände forderten daraufhin, die geplante Ausschusssitzung am 16. Mai in Frankfurt in einen vollwertigen Kongress umzuwandeln, mit der Begründung, dies vermeide kostspielige Doppelveranstaltungen. Lauterbach konsultierte Rechtsberater Thomas Strobl, der den Antrag nach den Statuten für unzulässig befand. Strobl betonte, dass Verbände zwar einen Kongress verlangen können, aber nicht den Termin bestimmen dürfen, da dies Befugnis der Präsidentin ist, und dass eine solche Forderung ungültig ist, wenn innerhalb von sechs Monaten ein anderer Kongress geplant ist. Daher bleibt die Veranstaltung am 16. Mai eine reguläre Sitzung, und der außerordentliche Kongress ist für den 8. August 2026 terminiert. Die Verbände bestreiten diese Auslegung und argumentieren, sie hätten keinen Termin genannt und das August-Ereignis sei nur eine politische Erklärung. Sie kündigten an, vor dem Schiedsgericht des Verbands Berufung einzulegen, was den Konflikt verlängert wird.