Auf dem CDU-Bundesparteitag in Stuttgart wurde Bundeskanzler Friedrich Merz mit 91,2 Prozent der Stimmen als Parteivorsitzender bestätigt. Die Wahl verzögerte sich um über drei Stunden durch technische Probleme bei der digitalen Abstimmung, die zu Papierstimmen führte. Ex-Kanzlerin Angela Merkel verpasste die Verkündung, gratulierte aber per SMS.
Der 38. CDU-Bundesparteitag in Stuttgart markierte die erste Wiederwahl von Friedrich Merz als Parteichef seit seiner Amtseinführung als Bundeskanzler. Merz erhielt 878 von 963 gültigen Stimmen, was 91,2 Prozent entspricht – ein Zuwachs gegenüber den 89,8 Prozent von 2024. Es gab 14 Enthaltungen und keine Gegenstimmen. Die Abstimmung, ursprünglich um 15:15 Uhr geplant, verschob sich durch die über 70 Minuten dauernde Rede des Kanzlers und den Ausfall des elektronischen Systems. Das WLAN war überlastet, und nur rund 600 von 1001 Delegierten konnten registriert werden. Nach einer abgebrochenen Probeabstimmung wurden Stimmzettel verteilt.
In seiner 75-minütigen Rede sprach Merz über Außen- und Innenpolitik, kündigte Reformen an und gab sich selbstkritisch. „Wir sind die Zukunftspartei, die Macher-Partei, die Partei der Zuversicht für Deutschland“, sagte er. Er versprach einen Paradigmenwechsel im Rentensystem, bei dem die gesetzliche Rente nur noch ein Baustein neben stärkerer privater und betrieblicher Vorsorge sei. Merz bat um Geduld in der schwarz-roten Koalition mit der SPD und kritisierte ritualhafte Ablehnungen von Vorschlägen. „Diese Kritik nehme ich an“, räumte er ein, bezogen auf hohe Erwartungen nach dem Regierungswechsel.
Angela Merkel, die den Parteitag nach langer Pause besuchte, verließ die Veranstaltung kurz nach 18 Uhr, um den letzten Zug nach Berlin zu erreichen. Sie hatte geplant, bis zur Verkündung zu bleiben, gratulierte Merz jedoch per SMS. Generalsekretär Carsten Linnemann wurde mit 90,5 Prozent bestätigt, Ministerpräsident Sven Schulze mit rund 87 Prozent ins Präsidium gewählt.
Merz lobte die Zusammenarbeit mit der CSU als „selten so gut“. CSU-Chef Markus Söder, der 83,6 Prozent bei seiner Wiederwahl erhielt, gratulierte auf Instagram und X. Am Samstag folgt Söders Rede, vorab diskutieren Delegierte Anträge zu Rente und Social-Media-Verbot für Kinder unter 16.