Nach Wahlniederlagen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz tobt in der FDP eine Debatte um die Ablösung von Parteichef Christian Dürr. Junge Liberale und Landespolitiker fordern Konsequenzen. Fünf potenzielle Nachfolger werden diskutiert.
Die FDP verfehlte nach der Bundestagswahl-Niederlage und dem Ausscheiden aus dem baden-württembergischen Landtag Anfang März nun auch den Wiedereinzug in den Landtag von Rheinland-Pfalz. In Umfragen waren die Liberalen seit Monaten nur als 'Sonstige' gelistet. Die Regierungsarbeit in der Mainzer Ampelkoalition überzeugte die Wähler nicht ausreichend, trotz konstruktiverer Zusammenarbeit als im Bund. Der schlechte Bundestrend und das Duell zwischen SPD und CDU trugen zum Ergebnis bei; das FDP-Potential in Rheinland-Pfalz war ohnehin schwächer als in Baden-Württemberg, wo es ebenfalls scheiterte. FDP-Generalsekretärin Nicole Büttner sagte am Wahlabend: „Es liegt an uns, unsere Stimme klarer, stärker und leidenschaftlicher zu erheben.“ Nach der Baden-Württemberg-Wahl forderten die Jungen Liberalen (Julis) Dürrs Ablösung, da er keine Idee für eine Wiederbelebung zeige. Aus Nordrhein-Westfalen kamen Rücktrittsaufforderungen von Landesvorsitzendem Henning Höne und Europaabgeordneter Marie-Agnes Strack-Zimmermann. Berliner Landesvorsitzender Christoph Meyer stellte fest: „In der jetzigen Konstellation kann es nicht weitergehen.“ Die Julis wollen am Montag in Gremien eine Neuwahl des Vorstands für den Mai-Parteitag auf die Agenda setzen, doch Dürr kann bleiben, wenn er will; eine Absetzung sieht die Satzung nicht vor. Potenzielle Nachfolger: 1. Henning Höne (39, NRW-Landeschef, Vize-Parteichef) mit Landtagsbühne und Neuanfang-Image. 2. Wolfgang Kubicki (74, Schleswig-Holstein, Vize-Chef), bekannt für spitze Formulierungen, marktliberal. 3. Marie-Agnes Strack-Zimmermann (68, Europaabgeordnete, Verteidigungspolitikerin). 4. Kombi aus Kubicki und Strack-Zimmermann, trotz Konfliktpotenzial. 5. Jüngere wie Konstantin Kuhle (37), Johannes Vogel (43) und Florian Toncar (46), die sich neu orientiert haben. Eine zweite Quelle betont trotz Niederlagen FDP-Chancen auf Comeback, zitiert Guido Westerwelle: „Es gibt zwei Institutionen, die Erfahrung mit der Auferstehung haben. Das sind die christliche Kirche und die FDP.“