AfD-Spitzen unter Druck durch Vetternwirtschaftsvorwürfe in NRW und Baden-Württemberg

Die Vetternwirtschafts-Affäre in der AfD eskaliert zu einem Kampf zwischen Parteiflügeln mit Auswirkungen auf die Chefs Tino Chrupalla und Alice Weidel. In Nordrhein-Westfalen droht ein Flügelkampf um die Landesspitze, während in Baden-Württemberg der Spitzenkandidat Markus Frohnmaier unter Druck gerät.

Dieses Wochenende wird für die AfD zu einer Prüfung der internen Konflikte. In Nordrhein-Westfalen tobt seit Monaten ein Streit zwischen dem Lager des Landeschefs Martin Vincentz, der Chrupalla unterstützt, und den völkischen Vertretern um den Abgeordneten Matthias Helferich. Vincentz strebt die alleinige Wiederwahl als Landesvorsitzender an, während das Helferich-Lager eine Doppelspitze mit Fabian Jacobi und Christian Zaum fordert. Der Parteitag in Marl muss zunächst über diese Struktur abstimmen; der Ausgang ist ungewiss und könnte Chrupallas Unterstützung im Bundesverband schwächen.

Helferich, der vorläufig aus dem Landesverband ausgeschlossen ist, aber vom Bundesschiedsgericht noch gehört werden könnte, hat den thüringischen Landeschef Björn Höcke zu einer Unterstützertour geholt. Gemeinsam mit Torben Braga forderte er härteres Vorgehen gegen Vetternwirtschaft, was von der Fraktionssitzung am Dienstag abgelehnt wurde. Die Vorwürfe treffen bisher vor allem Vincentz-Unterstützer: Fraktionsvize Stefan Keuter beschäftigt seine Lebensgefährtin in seinem Büro und sagte zum RND: „Ich habe nicht gegen das Abgeordnetengesetz verstoßen.“ Ähnlich Hauke Finger. Das Vincentz-Lager kontert: Jacobi hatte eine Beziehung zu seiner Mitarbeiterin, die parteiintern bekannt war und 2021 endete; sie arbeitet weiter für ihn. Jacobi kommentierte nicht.

In Baden-Württemberg liegt Frohnmaier in Umfragen unter 20 Prozent, eine Verdoppelung des 2021er-Ergebnisses von 9,7 Prozent, aber intern kritisch. Er kandidiert nur als Ministerpräsidentenkandidat, nicht auf der Liste, und plant, im Bundestag zu bleiben. Seine Washington-Reise zu Trump-Unterstützern kurz vor der Wahl wird bemängelt. Braga warnte auf X am 18. Februar: „Alles andere als ein überragendes Ergebnis der AfD in Baden-Württemberg wird viele zum Teil sehr unangenehme Fragen aufwerfen.“

Vetternwirtschaftsvorwürfe betreffen Frohnmaiers Familie: Seine Frau arbeitet für eine 2025 eintretende Abgeordnete, sein Adoptivvater für Diana Zimmer, seine Wahlkampfmanagerin. Als Landesvorsitzender beeinflusst er Kandidatenauswahlen, was auf Koppelgeschäfte hindeutet. Der Verband war jahrelang zerstritten; Frohnmaier räumte auf, doch familiäre Vorteile könnten auf Weidel zurückfallen.

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