Der AfD-Landesverband in Sachsen-Anhalt hat ein Parteiausschlussverfahren gegen den ehemaligen Generalsekretär Jan Wenzel Schmidt eingeleitet. Schmidt hatte zuvor seine Parteikollegen Korruption und Vetternwirtschaft vorgeworfen, darunter die Finanzierung privater Reisen mit Steuergeldern. Dies geschieht inmitten interner Konflikte vor der Landtagswahl 2026.
Der Landesvorstand der AfD in Sachsen-Anhalt hat ein Verfahren zur Parteiausschließung des Ex-Generalsekretärs Jan Wenzel Schmidt beschlossen, wie der SPIEGEL aus Parteikreisen erfuhr. Schmidt, 34 Jahre alt und Bundestagsabgeordneter, steht damit vor der härtesten Sanktion der Partei. Zuvor hatte er seinen Kollegen Abrechnungsbetrug und Vetternwirtschaft attestiert. In einer E-Mail beschrieb er, wie AfD-Abgeordnete über Jahre private Vergnügungsreisen nach New York, Griechenland und Disneyland mit Steuergeldern bezahlt haben sollen. Er erwähnte auch »Dienstreisen nach Berlin, deren Ziel die dortige Spielbank war«.
Diese Vorwürfe wirken wie eine Reaktion auf frühere Anschuldigungen gegen Schmidt selbst. Der Landesverband prüft Ordnungsmaßnahmen, da der Politiker sein Bundestagsmandat möglicherweise für geschäftliche Vorteile missbraucht habe. Recherchen des SPIEGEL deuteten auf dubiose Geschäfte mit künstlichen Diamanten aus China hin. Zudem stellte Schmidt Mitarbeiter seiner privaten E-Zigaretten-Firma als Schein-Minijobber in seinem Bundestagsbüro ein, finanziert aus Steuermitteln. Auf Anfragen des SPIEGEL ging er nicht auf Details ein, bestritt aber jegliche Rechtsverstöße.
Bis Anfang dieses Jahres war Schmidt Generalsekretär des Landesverbands, den der Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem einstuft. Vor der Landtagswahl im September 2026, bei der die AfD in Umfragen bei rund 40 Prozent liegt, eskaliert der interne Streit. Auch andere Abgeordnete wie Matthias Lieschke sind involviert: Er soll ein Kreisspitzentreffen heimlich aufgenommen und die Datei an Schmidt geschickt haben. Die Auseinandersetzungen könnten den Wahlerfolg der Partei gefährden.