Reiner Haseloff, ehemaliger Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, hat im Interview mit der Süddeutschen Zeitung die Stärke der AfD auf Misstrauen gegenüber den etablierten Parteien zurückgeführt. Er warnte vor den Konsequenzen einer möglichen AfD-Regierung nach der Landtagswahl am 6. September. Eine Koalition mit der AfD schließe die CDU aus, da diese die Zerstörung der CDU anstrebe.
Reiner Haseloff (CDU), der im Januar als Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt zurückgetreten ist, äußerte sich kritisch zur AfD. Im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung erklärte er, die Partei sei durch Krisen stark geworden. «Arbeiter, Bürgerliche, Pensionäre und vor allem viele junge Leute trauen den Parteien der demokratischen Mitte nicht mehr viel zu und wählen ganz rechts», sagte er.
Haseloff beschrieb ein Gefühl der Ernüchterung, besonders im Osten: «Die Deutschland AG gibt es an vielen Stellen nicht mehr, unsere Leitbranchen schmieren ab. Wir spüren, dass 'Made in Germany' kein Selbstläufer mehr ist.» Er wies auf die weitreichenden Kompetenzen der Länder hin, wie Bildung, innere Sicherheit und Verfassungsschutz.
Vor einer AfD-Regierung nach der Landtagswahl am 6. September warnte Haseloff: Die AfD «will ein anderes System». Als Beispiel nannte er die mögliche Abschaffung der Schulpflicht, die «die komplette Ausbildung» gefährden würde. Länder bestimmen über Schulbücher und Bauordnungen.
Zu einer Koalition mit der AfD äußerte sich der 72-Jährige ablehnend. Er teile die Haltung seines Nachfolgers Sven Schulze: «Warum sollte die CDU mit einer Partei koalieren, deren oberstes Ziel es ist, die CDU zu zerstören?» Schulze kandidiert als CDU-Spitzenkandidat.