Irina Pino reflektiert über Härten in Kuba

In ihrem Tagebuch äußert die kubanische Schriftstellerin Irina Pino die Qual des Schreibens über ihr Land, das von Gesundheitskrisen, Stromausfällen und Emigration geplagt wird. Sie beschreibt alltägliche Gespräche in einer privaten Videothek, die weitverbreitete Hoffnungslosigkeit offenbaren. Pino vergleicht die aktuelle Lage mit der Sonderperiode der 1990er Jahre und stellt fest, dass die heutigen Härten beispiellos sind.

In einem auf Havana Times veröffentlichten Tagebucheintrag gesteht Irina Pino, dass das Schreiben über Kuba zu einer Qual geworden ist. Ihre Hände weigern sich, die zahlreichen Katastrophen festzuhalten, die das Land heimsuchen. Kürzlich besuchte sie eine private Videothek, in der sie Filme kopiert, doch die Gespräche drehten sich nicht um Filme oder Serien, sondern um Viren, die die Bevölkerung verwüsten, und häufige Stromausfälle.

Eine Frau um die Siebzig mit geschwollenen Füßen durch das Chikungunya-Virus suchte Ablenkung außerhalb des Hauses. Ohne Scham teilte sie private Lebensdetails, einschließlich der Geschichte ihres Sohnes – eines Chirurgen, der in die USA emigriert ist. Dort verrichtet er Pflegedienste in einem Krankenhaus, erlebt Diskriminierung und hat nicht genügend Wochenstunden, um seine Einnahmen zu steigern.

Eine andere Sprecherin berichtete, wie sie eine Wohnung erworben hat, indem sie sich um eine ältere Frau kümmerte. Der Sohn der Alten war vor einem Jahrzehnt mit Frau und Kindern nach Miami gegangen und schickte nur hundert Dollar monatlich. Er weigerte sich, zurückzukehren oder sich weiter einzubringen, und überließ das Eigentum der Pflegerin als Erbe, noch während seine Mutter lebte. Pino fragt sich, ob das aus mangelnder mütterlicher Liebe oder aus Verlassenheit resultiert.

In letzter Zeit kommuniziert Pino kaum noch mit Freunden über WhatsApp; sie wirken distanzierter und stiller. Sie schildert Kuba als gelähmt, wo Hoffnung und Ziele täglich schwinden. Sie gesteht eine beispiellose Depression, im Gegensatz zur Sonderperiode der 1990er Jahre, als sie jung war und Wege fand, das Leben zu genießen. Heute kämpfen Kubaner ums nackte Überleben, wobei Nahrungssorgen und Krankheiten durch chronische Traurigkeit verstärkt werden.

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