Die deutsche Snowboarderin Ramona Hofmeister hat nach einer schweren Verletzung ein beeindruckendes Comeback hingelegt und gilt nun als Goldfavoritin bei den Olympischen Spielen in Livigno. Ende September erlitt sie eine Sprunggelenksfraktur und einen Außenbandriss, doch nur wenige Monate später siegte sie im Weltcup. Mit zwei Siegen und zwei Podestplätzen seit Januar nähert sie sich ihrem Ziel: Olympia-Gold.
Ramona Hofmeister, die 29-jährige Olympia-Bronzegewinnerin von 2018 und vierfache Gesamtweltcupsiegerin, erlitt Ende September bei einem Trainingsunfall in Zermatt eine Sprunggelenksfraktur plus Außenbandriss. Eine Operation war nötig, und Experten hielten ein Comeback frühestens im Frühjahr für möglich. Doch die Kämpferin gab nicht auf: „Ich habe das Thema Olympia nie abgeschrieben“, erzählt sie.
In der Reha trainierte sie verbissen und lernte viel über sich selbst: „Frustration ist Energieverschwendung. So eine Verletzung oder ein Rückschlag im Leben heißt nicht, dass alles aus ist und man in ein Loch fällt. Es heißt, dass man Alternativen suchen muss.“ Trotz des lädierten rechten Fußes fuhr sie selbstständig mit dem Bus zur Therapie. Wichtige Unterstützung erhielt sie von ihrem Athletiktrainer Marcus Hirschbiel und dessen Frau, der Olympia-Siegerin Hilde Gerg von 1998. „Die Hilde hat mich auch einige Male behandelt, sie hat mir auch sehr weitergeholfen“, sagt Hofmeister.
Kurz vor Weihnachten stieg sie wieder auf das Board und spürte sofort das vertraute Gefühl: „Ich hatte die ganze Zeit nur ein Grinsen im Gesicht, weil es funktioniert hat und ich relativ schmerzfrei war.“ Am 10. Januar kehrte sie im Weltcup in Scuol, Schweiz, zurück und gewann ihr erstes Parallel-Riesenslalom-Rennen, womit sie das Olympia-Ticket löste. Seitdem holte sie zwei Siege und zwei weitere Podestplätze, zuletzt Platz zwei in Rogla, Slowenien. „Das Podium gibt ein richtig gutes Gefühl“, meint sie zur Generalprobe für die Olympia-Show am Sonntag in Livigno (ab 9 Uhr, ZDF).
Heute hat Hofmeister keine Beschwerden mehr: „Ich habe keine Bandage, keine Schiene oder irgendetwas anderes. Und ich nehme auch keine Schmerzmittel.“ Als Mitfavoritin spürt sie keinen Druck, sondern Vorfreude: „Das ist doch schon jetzt ein Comeback, von dem man nur träumen kann. Ich bin wahnsinnig dankbar, dass das jetzt so funktioniert hat und ich jetzt meine dritten Spiele erlebe.“ Ein Gold würde die märchenhafte Geschichte krönen.