Union offen für SPD-Vorschlag zum Renteneintrittsalter

Die Union zeigt sich offen für einen SPD-Vorschlag, das Renteneintrittsalter an die Beitragsjahre zu koppeln. Dieser Ansatz soll das Rentensystem stabilisieren, stößt jedoch auf Kritik von Ökonomen und Arbeitgebern. Die Debatte gewinnt an Fahrt vor der Einsetzung einer Rentenkommission.

Die Debatte um eine Rentenreform in Deutschland nimmt Fahrt auf. Ein Vorschlag des Ökonomen Jens Südekum, Berater von SPD-Finanzminister Lars Klingbeil, sieht vor, das Renteneintrittsalter nicht mehr starr an ein Lebensalter zu binden, sondern an die Anzahl der Beitragsjahre. Dies könnte besonders für Akademikerinnen und Akademiker ein späteres Rentenalter bedeuten, da sie oft später in den Arbeitsmarkt eintreten.

Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) und SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf äußern sich positiv zur Idee. Auch in der Union gibt es Unterstützung: CSU-Chef Markus Söder findet den Grundgedanken »sympathisch« und plädiert für eine flexible Gestaltung, unter Berücksichtigung von Teilzeitphasen. CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann hält den Vorschlag für diskussionswürdig und fordert eine offene Arbeit in der geplanten Rentenkommission. CDU-Politiker Nicklas Kappe aus der Jungen Gruppe betont die Notwendigkeit, zwischen Berufsgruppen zu differenzieren, und lobt die Anrechnung früher Beitragsjahre, etwa ab der Ausbildung mit 18 Jahren. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) nennt die Kopplung »durchaus erwägenswert«, möchte aber eine umfassende Reform abwarten.

Kritik kommt von außen. BDA-Hauptgeschäftsführer Steffen Kampeter sieht im Vorschlag eine »Neuauflage der Rente mit 63« und lehnt sie ab. DIW-Präsident Marcel Fratzscher warnt, der Ansatz verstärke Ungleichheiten und benachteilige Frauen mit Familien- oder Ehrenamtsphasen, ohne Altersarmut zu mindern.

Noch vor Weihnachten soll die Rentenkommission eingesetzt werden, mit Vertretern aus Politik, Wissenschaft und der jungen Generation. Bis Mitte 2026 sollen Vorschläge vorliegen, die in ein Gesetz münden. Die Kommission prüft auch die Einbeziehung weiterer Beitragszahler wie Beamter oder Selbstständiger, was bei der Union auf Skepsis stößt – Söder warnt vor einer »Enteignung der Mittelschicht« und einem »Klassenkampf«.

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