André Loesekrug-Pietri, Chef der Innovationsagentur Jedi, erklärt in einem Handelsblatt-Interview, dass die USA erstmals Künstliche Intelligenz im großen Stil im Golfkrieg gegen den Iran einsetzen. Die Plattform „Maven“ von Palantir verändere den Konflikt fundamental. Er fordert Europa auf, technologisch aufzuholen.
In München hat André Loesekrug-Pietri, Chef der europäischen Innovationsagentur Jedi und ehemaliger Berater des französischen Verteidigungsministeriums, im Interview mit dem Handelsblatt über den aktuellen Golfkrieg gesprochen. US-Präsident Donald Trump habe nach Ablauf seines Ultimatums in der Nacht zum Mittwoch mit einer massiven Ausweitung der Angriffe auf den Iran gedroht. Die US-Streitkräfte setzten dabei erstmals die KI-Plattform „Maven“ ein, die von Palantir federführend entwickelt wurde.
„Das verändert den Krieg fundamental“, sagte Loesekrug-Pietri. „Das erhöht die Geschwindigkeit erheblich – und Geschwindigkeit ist im modernen Konflikt entscheidend.“ Er kritisierte europäische Rüstungsbeschaffungen als Aktionismus: „Wir investieren enorme Mittel in die falschen Bereiche.“ Besonders warne er vor der Planung von Tausenden neuen Panzern bei der Bundeswehr: „Panzerkolonnen sind in einer Drohnenlandschaft richtige Särge.“
Loesekrug-Pietri forderte ein Umdenken. Etablierte Hersteller entwickelten bei staatlichen Aufträgen nur bestehende Konzepte weiter. Projekte wie die „Eurodrohne“ von Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien seien zu spät und zu teuer. „Es fehlt einfach der Mut, schlechte Projekte konsequent einzustellen.“ Stattdessen sollten europäische Staaten gemeinsame Datenräume und KI-Systeme aufbauen, um unabhängig von den USA und China zu werden.