Ecuador hat seinen Botschafter in Kolumbien zu Konsultationen zurückgerufen, wie Außenministerin Gabriela Sommerfeld mitteilte. Dies ist eine Reaktion auf die Äußerungen des kolumbianischen Präsidenten Gustavo Petro zum ehemaligen Vizepräsidenten Jorge Glas. Petro bezeichnete Glas als „politischen Gefangenen“, der gefährdet sei, und forderte dessen Freilassung oder Überstellung an Kolumbien. Noboa entgegnete, dass es sich um einen korrupten Einzelnen handele, der sich vor Ecuador verantworten müsse.
Die ecuadorianische Außenministerin Gabriela Sommerfeld gab am Mittwoch bekannt, dass ihr Land den Botschafter aus Kolumbien abgezogen hat, nachdem Präsident Gustavo Petro am Montag einen Beitrag auf X veröffentlicht hatte. Petro erklärte, dass Glas, der wegen Korruption verurteilt wurde und in einem Hochsicherheitsgefängnis sitzt, aufgrund von Mangelernährung und medizinischer Vernachlässigung gesundheitlichen Risiken ausgesetzt sei. Er forderte Daniel Noboa auf, ihn freizulassen oder unter Verweis auf seine kolumbianische Staatsbürgerschaft zu überstellen.
Noboa antwortete auf X, dass die Bezeichnung von Glas als politischem Gefangenen die Souveränität Ecuadors angreife und gegen den Grundsatz der Nichteinmischung verstoße. „Im Gefängnis sitzt ein korrupter Mann, der sich vor Ecuador verantworten muss“, schrieb der Präsident.
Glas, der unter Rafael Correa (2013-2017) Vizepräsident war, verbüßt Strafen wegen illegaler Absprachen im Odebrecht-Fall, Bestechung bei der Wahlkampffinanzierung (2012-2016) und Veruntreuung nach dem Erdbeben von 2016. Seine Verteidigung versucht aufgrund seines angeblich schlechten Gesundheitszustands rechtliche Schritte einzuleiten, was die Regierung Noboa jedoch bestreitet.
Der Vorfall verschärft die Spannungen zwischen den beiden Ländern, die politisch unterschiedlich ausgerichtet sind: Noboa steht Washington nahe, während der linke Petro eine gegensätzliche Haltung einnimmt. Laut dem Außenministerium hat Ecuador vereinbarte Fachausschüsse gestoppt und fordert eine verstärkte Grenzsicherheit, um bei Handels- und Energiefragen voranzukommen. Sommerfeld äußerte scharfen Protest gegen die Einmischung in ecuadorianische Staatsangelegenheiten.