Neal Cassady hätte am 8. Februar 100 Jahre alt werden sollen. Als Muse für Jack Kerouac und Allen Ginsberg, Pioniere der Beat Generation, verkörperte er ungezügelten Gedanken und Bewegung. Sein Leben in ständiger Veränderung prägte die amerikanische Literatur des 20. Jahrhunderts.
Neal Cassady wurde 1926 in Salt Lake City geboren, während seine Familie unterwegs war, und Bewegung prägte sein Leben. Seine Mutter starb, als er 10 war, und mit einem stark trinkenden Vater zogen sie in Armut und Instabilität durch den amerikanischen Westen. Cassady überlebte durch Energie und Charme; er war klug, athletisch und neugierig, mit einem Hunger nach Büchern, der seiner Appetenz auf Erfahrungen gleichkam. Als Teenager in Denver stahl er Autos, landete in einer Besserungsanstalt und saß im Gefängnis. Gleichzeitig las er viel und brachte sich das Schreiben bei. Sein Prosa war rasch, intim und emotional entblößt, vertraute auf Schwung statt Revision und glaubte, dass Wahrheit in fließender Sprache entsteht. 1946 traf er in New York City auf Schriftsteller, redete unermüdlich, gestand frei und hörte aufmerksam zu. Seine Briefe kamen in Strömen; ein langer Brief von 1950 an Kerouac war aufschlussreich und entriegelte, was Kerouac „spontane Prosa“ nannte und eine Generation prägte. Cassady heiratete mehrmals und kümmerte sich innig um seine Kinder, trieb aber immer wieder davon. Er suchte Freiheit und Stabilität zugleich, arbeitete jahrelang bei der Eisenbahn, bevor der Drang zur Bewegung zurückkehrte. Seine zweite Frau, Carolyn Cassady, schuf das häusliche Leben, das seine Wanderungen ermöglichte – ein Preis für das Ideal der Straße, der in der Beat-Mythologie oft unsichtbar bleibt. Ende der 1950er nahm er Drogen und saß im Gefängnis. In der Gegenkultur der 1960er fuhr er mit Ken Kesey und den Merry Pranksters im Bus Further quer durchs Land und belebte die Reise mit Geschwätz, Lachen und Speed. Im Februar 1968 in San Miguel de Allende, Mexiko, besuchte Cassady eine Party, soff stark, irrte nachts umher und wurde bewusstlos nahe den Gleisen gefunden. Er starb an jenem Tag im Alter von 41 Jahren. Nach seinem Tod erschienen seine Schriften, insbesondere The First Third, die ein scharfes Auge, emotionale Kühnheit und natürlichen Rhythmus offenbarten. Cassadys Erbe bleibt unvollendet und menschlich – großzügig und rücksichtslos, liebevoll und unzuverlässig –, spürbar im Rausch eines Satzes und im Reiz der Straße, die Freiheit und Verlust trägt.