Netflix hat „Queen of Chess“ veröffentlicht, einen Dokumentarfilm über das Leben von Judit Polgar, der größten Schachspielerin der Geschichte. Regie führte Rory Kennedy, der Film hatte Premiere beim Sundance Film Festival am 27. Januar 2026, bevor er am 6. Februar weltweit gestreamt wird. Er beleuchtet Polgars Aufstieg vom ungarischen Wunderkind zum Barrierebrecher in einer männerdominierten Sportart.
Judit Polgars Geschichte entfaltet sich in „Queen of Chess“ als Erzählung von Widerstandsfähigkeit inmitten der Einschränkungen des kommunistischen Ungarns. 1976 geboren, war Polgar die jüngste von drei Schwestern, die von ihrem Vater László Polgár, einem Bildungspsychologen, der glaubte, dass Genies gemacht, nicht geboren werden, zu Hause unterrichtet wurden. Ab fünf Jahren trainierten die Schwestern täglich acht bis neun Stunden Schach, verzichteten auf reguläre Schule und Ferien. Dieses intensive Programm katapultierte Polgar 1989 mit 12 Jahren zur weltbesten Frauenspielerin und 1991 mit 15 Jahren zur jüngsten Großmeisterin aller Zeiten, womit sie Bobby Fischers Rekord brach. Der 94-minütige Film mischt Archivaufnahmen von Ereignissen wie den Schacholympiaden 1988 in Thessaloniki – wo die Polgár-Schwestern Ungarn zum Sieg über das sowjetische Team halfen – mit persönlichen Interviews. Er zeigt Polgars Eltern László und Klára, Schwestern Susan und Sofia, beide erfolgreiche Spielerinnen, Ehemann Gusztav Font und Rivalen einschließlich Garry Kasparov. Ein zentraler Faden ist Polgars Rivalität mit Kasparov, beginnend mit ihrem Aufeinandertreffen beim Linares-Turnier 1994, geprägt von einem kontroversen Touch-Move-Vorfall, bei dem Kasparov eine Figur zurückzog, was auf Video festgehalten, aber damals nicht angefochten wurde. Nach 14 Niederlagen besiegte Polgar Kasparov 2002 mit 26 Jahren als erste Frau einen regierenden Weltmeister im klassischen Schach und drang in die Welt-Top-10 vor – eine Leistung, die keine andere Frau erreicht hat. Der Film thematisiert Sexismus im Schach, zitiert Fischers Aussage von 1963, Frauen seien „nicht so klug“ im Spiel, und Polgars Reflexion: „Ich musste mich zehnmal mehr beweisen, als wenn ich als Junge geboren wäre.“ Die Kritiken sind gemischt: RogerEbert.com vergab 3/4 Sterne und lobte die Feier von Polgar, während The Guardian 3/5 gab und die emotionale Tiefe zum Experiment ihres Vaters kritisierte. Regisseurin Kennedy hofft auf Inspiration jenseits des Schachs: „Das ist eine Geschichte über Widerstandsfähigkeit, Entschlossenheit und das Brechen von Barrieren.“ Polgar beendete 2014 ihre Karriere, lebt nun in Budapest mit Font und Kindern Oliver und Hanna, arbeitet als Kommentatorin, Autorin und Gründerin der Judit Polgar Chess Foundation. Die Veröffentlichung folgt dem Boom von 2020 durch „The Queen’s Gambit“ und könnte das Schachpublikum weiter erweitern.