Rory Kennedys «Queen of Chess» beleuchtet das Leben und die Karriere von Judit Polgár, der ersten Frau in den Top 10 der Schachweltrangliste. Der Film hebt ihre Erziehung im kommunistischen Ungarn und ihre Kämpfe gegen die männliche Dominanz im Sport hervor. Er konzentriert sich auf Schlüsselmomente, einschließlich eines kontroversen Matches 1994 gegen Garry Kasparov.
Judit Polgár, geboren im kommunistischen Ungarn, wurde von ihrem Vater László Polgár als Teil eines Experiments erzogen, das beweisen sollte, dass Genie kultiviert wird, nicht vererbt. Heimunterrichtet neben ihren Schwestern Susan und Sofia, strukturierten die Polgár-Töchter ihren Alltag um Schachtraining, mit Fokus auf Eröffnungen, Stellungsspiel und Endspieltheorie. Dieser rigorose Ansatz stellte sowohl staatliche Restriktionen als auch die männerdominierte Elite des Schachs infrage, von einer kleinen ungarischen Wohnung aus. Susan Polgár gewann mehrere internationale Frauen-Schachmeisterschaften, während Sofia Anerkennung in Jugend- und Erwachsenenturnieren erlangte. Judit entwickelte sich als die Begabteste und wurde damals die jüngste Großmeisterin. 1994, im fünften Round des Linares-Turniers — dem Wimbledon des Schachs — traf sie auf Weltmeister Garry Kasparov, der den Titel von 1985 bis 2000 hielt. Das Match umfasste einen kontroversen «touch-move»-Vorfall, bei dem Kasparov scheinbar eine Figur losließ und neu positionierte, ohne Strafe trotz Videoaufnahmen. Die Dokumentation stellt diese Begegnung ohne Urteil dar und betont ihre Symbolik in einem Spiel, in dem Polgárs Legitimitet angezweifelt wurde. Polgár lehnte frauenspezifische Events ab und trat in offenen Kategorien an, wo die Prüfung intensiv war. Sie besiegte mehrere Weltmeister, darunter Kasparov später, und erreichte die Top 10 weltweit — ein beispielloses Meisterstück für eine Frau. In ihrer Karriere begegnete sie Sexismus, einschließlich abwertender Kommentare und Fragen zu Ausdauer und Temperament. Kennedys Film nutzt Archivaufnahmen, Interviews und Turnierclips in einem beobachtenden Stil, der der methodischen Natur des Schachs entspricht. Er enthält Reflexionen der Schwestern über ihre Erziehung, die deren Intensität anerkennt, ohne zu urteilen. Die Erzählung verfolgt Polgárs Aufstieg von der Teenagerin zur Schachgeschichte-Figur und zeigt, wie ihre Disziplin Geschlechterbarrieren durch anhaltende Exzellenz statt Aktivismus niedergerissen hat.