Eine Schweizer Studie widerlegt die weit verbreitete Frühjahrsmüdigkeit als Mythos. Forscher der Universität Basel und des Inselspitals Bern fanden in einer einjährigen Umfrage unter 418 Personen keine Hinweise auf erhöhte Müdigkeit im Frühling.
Basel/Bern. Viele Menschen berichten von Erschöpfung im Frühling, bekannt als Frühjahrsmüdigkeit. Eine Studie von Christine Blume von der Universität Basel und Albrecht Vorster vom Inselspital Bern, veröffentlicht im „Journal of Sleep Research“, zeigt jedoch: Das Phänomen existiert nicht empirisch im deutschsprachigen Raum. Es handle sich um eine selbst erfüllende Prophezeiung durch den etablierten Begriff, schreiben die Autoren. 47 Prozent der Befragten fühlten sich betroffen, doch detaillierte Angaben zu Schlaf und Müdigkeit alle sechs Wochen über ein Jahr ab April 2024 bei 418 Teilnehmern ergaben keine Bestätigung. „Wir fanden keinen empirischen Beleg für das Phänomen“, sagt Blume. Weder Erschöpfung noch Tagesschläfrigkeit oder schlechtere Schlafqualität stiegen im Frühling an, unabhängig von der zunehmenden Tageslänge. Gängige Erklärungen wie sinkender Blutdruck durch Wärme oder Melatoninüberschuss wies Blume als chronobiologisch unplausibel zurück: „Eine Art Überschuss von Melatonin zum Ende des Winters gibt es nicht.“ Stattdessen erklären Psychologen den Glauben mit Labeling-Effekt, Nocebo-Effekt oder kognitiver Dissonanzreduktion. Außerhalb des deutschsprachigen Raums ist der Begriff unbekannt; im Englischen steht „spring fever“ für gesteigerte Vitalität. Die Idee zur Studie kam Blume durch journalistische Anfragen.