Insulaner von Helgoland planen genossenschaftliche Bäckerei

Seit Ende 2024 gibt es auf Helgoland keine frischen Brötchen mehr, da die letzte Bäckerei wegen gesundheitlicher Probleme der Betreiberin schloss. Lokaler Unternehmer Adrian Wolf und Bäckermeister Mario Peterscheck wollen nun eine Genossenschaft gründen, um die Bäckerei mit 1,35 Millionen Euro zu retten. Die Idee stößt auf große Resonanz in der Inselgemeinde.

Helgoland, Deutschlands einzige Hochseeinsel, kämpft um die Rückkehr frischer Backwaren. Die Schließung der letzten Bäckerei Ende 2024 hat die etwa 1.300 Einwohner in die Abhängigkeit von Tiefkühlware und Konserven gezwungen. Adrian Wolf, zugezogener Unternehmer und Mitinitiator der Initiative inselgenossenschaft.de, beschreibt den Verlust als Einbuße an Lebensqualität: „Da ist ein großes Stück Lebensqualität weggefallen, und das ist auch ein Riesenthema auf der Insel – bei Einwohnern wie Touristen.“

Die Bäckerei, die seit den 1960er-Jahren in ihrer ursprünglichen Form existierte, schloss aufgrund der Insolvenz der Betreiberin aus gesundheitlichen Gründen. Trotz profitablen Geschäftsmodells scheiterte die Übernahme durch Mario Peterscheck (52), einen erfahrenen Bäckermeister, an der Bank auf dem Festland. Diese zog eine Woche vor dem Notartermin die Finanzierung zurück und bewertete sein Alter als zu riskant. Die Gemeinde sicherte sich ein Vorkaufsrecht für das Grundstück, das Ende des Jahres ausläuft – ein Zeitdruck, da neue Produktionsflächen auf der beengten Insel rar sind.

Die Lösung: Eine genossenschaftliche Bäckerei mit moderner Produktionshalle, Konditorei und Kantine für Hafenarbeiter. Der Businessplan sieht Investitionen von 1,35 Millionen Euro vor, mit Anteilen ab 150 Euro, um breite Beteiligung zu ermöglichen. Die Gründung steht in wenigen Tagen bevor. Die Resonanz ist überwältigend: „Es ist das Dorfgespräch Nummer eins“, sagt Wolf. Bei einer Infoveranstaltung für Senioren gab es Standing Ovations. In elf Tagen kamen Absichtserklärungen für 400.000 Euro, darunter von Touristen und Inselverbundenen. Weitere Unterstützung erwarten sie von Reedereien, Fördertöpfen für Genossenschaften und Bankdarlehen.

Die Insulaner sehnen sich nach traditionellen Spezialitäten wie Butterkuchen, Brötchen und Schwarzbrot. Wolf betont: „An diese Vergangenheit wollen wir anknüpfen, aber natürlich darf und soll Mario auch seine eigenen Produkte machen.“ Ohne schnelles Handeln droht der Verlust der Bäckerei ein für alle Mal.

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