Die Regierung von Präsident José Antonio Kast forderte am Montag den unfreiwilligen Rücktritt von Priscilla Carrasco, der nationalen Direktorin des Nationalen Dienstes für Frauen und Gleichstellung der Geschlechter (SernamEG), während diese sich in Behandlung gegen triple-negativen Brustkrebs befindet. Die Entscheidung stieß parteiübergreifend auf Kritik, auch aus den eigenen Reihen, da sie angesichts ihres Gesundheitszustands als empathielos empfunden wurde. Kast begründete den Schritt mit einem Vertrauensverlust aufgrund von Differenzen in der Amtsführung.
Priscilla Carrasco, die im August 2022 über das Verfahren der öffentlichen Führungskräfteauswahl (Alta Dirección Pública) ernannt wurde, war am Montag um 16 Uhr von der Unterstaatssekretärin für Frauen und Geschlechtergerechtigkeit, Daniela Castro, in den Regierungssitz La Moneda zitiert worden. Dort wurde sie zur unfreiwilligen Amtsniederlegung aufgefordert, ohne dass konkrete Erklärungen geliefert wurden – dies, obwohl das Ministerium von ihrer im Juli 2025 diagnostizierten Brustkrebserkrankung und der laufenden Behandlung wusste, worüber am 27. Februar informiert worden war.
Präsident José Antonio Kast verteidigte die Entscheidung in einem Interview mit dem chilenischen Rundfunkverband (ARCHI): „Das Vertrauen war nicht vorhanden, weil wir unterschiedliche Ansichten über die Verwaltung einer wichtigen Behörde wie SernamEG, PRODEMU und des Frauenministeriums im Allgemeinen haben.“ Er erwähnte komplexe Situationen, die kommuniziert werden müssten, und bot Hilfe bei der medizinischen Behandlung durch eine Abfindung an.
Eine interne Revision ergab Verzögerungen bei der Informationsweitergabe, unvollständige Antworten sowie Probleme bei PRODEMU mit ineffizienter Verwendung von mehr als 6,1 Millionen US-Dollar, was ein „Szenario mit hohem institutionellem Risiko“ schuf.
Carrasco bezeichnete das Vorgehen als unfair: „Das Mindeste, was ich erwartet hätte, wäre, dass sie mich die Behandlung beenden lassen, bevor sie meinen Rücktritt fordern.“ Die ehemalige Präsidentin Michelle Bachelet bezeichnete den Vorgang als „äußerst besorgniserregendes Signal“ hinsichtlich des Stellenwerts, der der Fürsorge für Frauen beigemessen wird.
Sogar Vertreter der Regierungskoalition äußerten Kritik: Die Senatorin Paulina Núñez forderte mehr Empathie, die UDI-Abgeordnete Flor Weisse schlug eine alternative Lösung vor, und Ximena Ossandón von der Partei RN wertete den Vorfall als ein schlechtes Signal.