Kommentar kritisiert künstliche Sozialschuld im öffentlichen Defizit

In einem Le Monde-Kommentar warnen der Ökonom Rémi Jeannin und der Historiker Arnaud Pautet vor der irreführenden Erzählung von Frankreichs 'Sozialschuld', die vom BPI-Direktor Nicolas Dufourcq propagiert wird. Sie argumentieren, dass die Isolierung des sozialen Anteils am öffentlichen Defizit wenig Sinn ergibt, da er künstlich vom Staat geschaffen wird. Ihre Kritik richtet sich gegen Dufourcqs Buch, das behauptet, 2.000 Milliarden Euro Schulden stammen aus unfinanzierten Sozialleistungen über vierzig Jahre.

Nicolas Dufourcq, Leiter der Banque publique d’investissement (BPI), hat 'La Dette sociale de la France. 1974-2024' (Odile Jacob, 544 Seiten, 28,90 Euro) veröffentlicht und behauptet, dass 'von den 3.500 Milliarden Euro [der öffentlichen Schulden] heute 2.000 Milliarden (…) Sozialleistungen sind, die über vierzig Jahre auf Kredit gezahlt wurden'. Diese Schätzung, die in verschiedenen Medienauftritten, einschließlich Le Monde, unangefochten wiederholt wird, gilt dem Ökonomen Rémi Jeannin und dem Historiker Arnaud Pautet als unbegründet.

Das Buch bietet historischen Wert, indem es ein halbes Jahrhundert politischen Lebens mit Zeugnissen von Akteuren dokumentiert und eine berechtigte Frage aufwirft: Welchen Anteil der öffentlichen Schulden kann man dem Anstieg der Sozialausgaben zuschreiben, die nicht durch obligatorische Abgaben gedeckt sind?

Dennoch heben die Autoren des Kommentars zwei große methodische Mängel hervor. Erstens summiert Dufourcq die öffentlichen Ausgaben seit den 1980er Jahren auf 38.000 Milliarden Euro, davon 58 % (22.200 Milliarden) sozial, und schreibt 58 % der aktuellen Schulden der 'Leistungsschuld' zu. Dies ignoriert die Inflation: Laut Insee hat 1 Euro im Jahr 2024 die Kaufkraft von 0,31 Euro aus dem Jahr 1980.

Zweitens ignoriert die automatische Zuordnung dieser 58 % zum aktuellen Schuldenbestand, dass Sozialausgaben eigene Einnahmen haben, wie Sozialbeiträge, CSG, CRDS und Mehrwertsteuer. Diese fördern Konsum, soziale Kohäsion, Wachstum und erzeugen einen Fiskalüberschuss, der Kredite drosselt. Die Autoren argumentieren, man könne Verluste nicht addieren, ohne Gewinne abzuziehen, und lenke so die Aufmerksamkeit von den wahren Finanzierungsproblemen des französischen Sozialmodells ab.

Dieser Kommentar passt in die Diskussionen zum Haushalt 2026 und beleuchtet mögliche Manipulationen der haushaltspolitischen 'Rohrführung'.

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