Der Dichter und Chronist Roberto Merino hat mit „Ciudad del olvido“ einen Essayband über die Geschichte, die Stadtviertel und den Wandel Santiagos veröffentlicht. In einem aktuellen Interview reflektiert Merino über die Zerbrechlichkeit des städtischen Gedächtnisses und die Gewalt während der sozialen Unruhen.
Der im Stadtviertel San Isidro geborene Merino verfasste seine erste Chronik über Santiago im Alter von 13 Jahren in den 1970er Jahren. Er erinnerte sich an Spaziergänge mit seiner Familie und seinen Freunden in den 1980er Jahren, einer Zeit wirtschaftlicher Einschränkungen, in der das Zu-Fuß-Gehen eine Möglichkeit war, die Stadt zu erleben.
Der Titel des Buches stammt aus einem seiner Essays. Merino merkte an, dass sich Santiago schnell verändert und es leicht sei, das Vorangegangene zu vergessen, wobei er jedoch auch hinterfragte, ob man diese Veränderungen stets beklagen müsse. Er wies darauf hin, dass ein Architekt ein Gebäude in dem Wissen errichten könne, dass es wieder verschwinden werde, im Gegensatz zu einer Sinfonie.
Merino thematisierte die sozialen Unruhen und verglich die Gewalt gegen den öffentlichen Raum mit früheren Zeiten. Er erklärte, dass es in den 1970er und 1980er Jahren nicht üblich gewesen sei, Gebäude oder Stadtmobiliar anzugreifen, und kritisierte das, was er als böswillige Verharmlosung der Ereignisse bezeichnete.
Der Autor erwähnte die chilenische Belle Époque, deren Glanz mit extremer Armut in Gebieten wie dem Zanjón de la Aguada koexistierte. Er sprach auch über die Literatur, die eine imaginäre Stadt begründet hat, von „Martín Rivas“ bis zur Generation der 1950er Jahre.