Ein neues wissenschaftliches Papier legt nahe, dass der Homo sapiens vom südlichen Kap Südafrikas vor etwa 70.000 Jahren entlang der Küste aus Afrika abwanderte. Der Ökologe Alan Whitfield und seine Koautoren argumentieren, dass Küstenressourcen und spezielle Fähigkeiten diese Reise ermöglichten. Die Hypothese hebt marine Nahrungsquellen und Technologien von Fundorten wie der Blombos-Höhle hervor.
Ein in den Transactions of the Royal Society of South Africa veröffentlichtes wissenschaftliches Papier schlägt die 'Küstenhypothese' vor. Die von Alan Whitfield, Charles Helm, Renée Rust, Willo Stear und Francis Thackeray verfasste Studie argumentiert, dass eine technologisch fortschrittliche Gruppe von Homo sapiens vor etwa 70.000 Jahren das südliche Kap verließ. Sie bewegten sich zwischen 50.000 und 40.000 Jahren aus Afrika heraus und erreichten Eurasien, Australien sowie Amerika.
Whitfield, ein Ästuar-Ökologe am South African Institute for Aquatic Biodiversity, wurde durch den Fund eines Faustkeils aus der frühen Steinzeit nahe der Elands-Mündung inspiriert. 'Ich hatte noch nie zuvor so etwas gesehen', erinnert er sich. 'Er lag perfekt in meiner Hand und es fühlte sich an, als würde ich etwas halten, das sowohl kostbar als auch zweckmäßig war.'
Das südliche Kap, zwischen Kap Agulhas und Kap St. Francis, bot reiche Ressourcen, darunter marine Weichtiere, Fische und Schalentiere, die reich an Omega-3-Fettsäuren sind. Whitfield stellt fest, dass diese die Gehirnentwicklung unterstützten, insbesondere bei Frauen und Kindern, die Nahrung in der Gezeitenzone sammelten. 'Meeresfrüchte, insbesondere viele der wirbellosen Tiere in Gezeitentümpeln und vor allem Schalentiere, haben einen sehr hohen Gehalt an Omega-3-Fettsäuren', erklärte er.
Das Leben an der Küste erforderte Wissen über Gezeiten, Mondzyklen und Jahreszeiten, was die kognitiven Fähigkeiten förderte. Die Region zeigt frühes symbolisches Verhalten in der Blombos-Höhle und am Pinnacle Point sowie Technologien der Still-Bay- und Howiesons-Poort-Industrien. Whitfield hebt die Pfeil-und-Bogen-Technologie von vor etwa 80.000 Jahren als entscheidend hervor. 'Der große Vorteil von Pfeilen ist, dass man sich einem großen Tier nähern kann, ohne sein Leben zu riskieren', sagt er.
Während der Eiszeitbedingungen vor 90.000 bis 80.000 Jahren bot die Küste zuverlässige Nahrung, während das Landesinnere austrocknete. Die Gruppe folgte dem warmen Agulhasstrom in Richtung Osten, was einen einfacheren Weg als Landrouten bot und eine gesicherte Versorgung mit Meeresfrüchten ermöglichte.