Zum 81. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau warnen Überlebende vor anhaltendem Antisemitismus. In Polen und Deutschland fanden Gedenkveranstaltungen statt, bei denen der Fokus auf den Stimmen der Überlebenden lag. Die Holocaust-Überlebende Tova Friedman wird im Bundestag sprechen und nutzt TikTok, um junge Menschen zu erreichen.
Am 27. Januar 2026 jährt sich die Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau zum 81. Mal. Sowjetische Truppen hatten 1945 die Überlebenden befreit, nach dem Tod von rund 1,1 Millionen Menschen, meist Juden, zwischen 1940 und 1945. Die Gedenkstätte Auschwitz verzichtete in diesem Jahr bewusst auf Reden von Politikern, um die Aufmerksamkeit auf die ehemaligen Häftlinge zu lenken, wie Leiter Piotr Cywinski betonte. Polens Präsident Karol Nawrocki nahm an der Feier teil. Der 96-jährige Überlebende Bernard Offen warnte vor zunehmendem Hass in der Gesellschaft: „Es gebe derzeit viele Zeichen, die mir nur allzu bekannt seien.“
In Deutschland legten Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU), EU-Innenkommissar Magnus Brunner und Zentralratspräsident Josef Schuster einen Kranz am Berliner Mahnmal für ermordete Juden nieder. Gedenkfeiern fanden in mehreren Landtagen statt. Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) eröffnete die Ausstellung „An eine Zukunft glauben. Jüdische Biografien in der parlamentarischen Gründergeneration nach 1945“. Sie sagte: „Antisemitismus war 1945 nicht vorbei. Und er ist es bis heute nicht.“ Israels Botschafter Ron Prosor forderte konsequenteres Vorgehen gegen Antisemitismus: „Am 27. Januar dieses Jahres muss klar sein, dass den Worten Taten folgen müssen.“ Eine YouGov-Umfrage zeigt, dass nur 49 Prozent der Befragten den Gedenktag als wichtig erachten, 35 Prozent als gering.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mahnte: „Es ist Haltung und Handeln gefragt.“ Am Mittwoch spricht die 87-jährige Überlebende Tova Friedman, die mit fünf Jahren nach Auschwitz kam, im Bundestag. Mit ihrem Enkel betreibt sie einen TikTok-Kanal, um die Erinnerung wachzuhalten. Das Motto des Gedenktags „Bridging Generations“ unterstreicht den Bedarf, junge Menschen durch kreative Formen wie Social Media einzubinden, ohne die Einzigartigkeit des Holocausts zu mindern.