Eine Studie des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit zeigt, dass Jugendliche in Deutschland später sexuell aktiv werden und ihr erstes Mal meist in einer festen Beziehung erleben. Die Ergebnisse deuten auf bessere Aufklärung und verändertes Freizeitverhalten hin. Nur sechs Prozent verhüten beim ersten Mal nicht.
Die aktuelle Jugendsexualitätsstudie des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) befragte mehr als 5800 Mädchen und Jungen im Alter von 14 bis 25 Jahren. Die ersten Ergebnisse wurden am Donnerstag vorgestellt. Im Vergleich zur Erhebung von 2019 lassen sich Jugendliche rund zwei Jahre mehr Zeit, um sexuell aktiv zu werden. Die Mehrheit erlebt ihr erstes Mal mit 19 Jahren, zuvor waren es 17 Jahre.
Überraschend ist, dass der überwiegende Teil das erste Mal in einer festen Beziehung hat: 65 Prozent der Mädchen und 53 Prozent der Jungen. Rund 25 Prozent der Mädchen und 31 Prozent der Jungen kannten ihren Partner "gut", wobei die Befragten den Bekanntheitsgrad selbst definierten. Die stellvertretende BIÖG-Leiterin Mechthild Paul betonte: „Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass junge Menschen sich mehr Zeit lassen und bewusste Entscheidungen treffen, wenn es um Sexualität geht.“ Sie führte dies auf kontinuierliche Aufklärung in Schule, Familie und Beratungsstellen zurück.
Auch beim ersten Kuss gibt es Verzögerungen: Nur 33 Prozent der 14-Jährigen haben Erfahrungen gemacht, im Vergleich zu 53 Prozent zuvor. Die Hälfte hatte den ersten Kuss mit 15 Jahren, 2019 waren es 70 Prozent. Unter den Jugendlichen ohne sexuelle Kontakte nennen 50 Prozent den fehlenden passenden Partner als Grund, 37 Prozent fühlen sich zu schüchtern und 41 Prozent zu jung.
Studienleiterin Sara Scharmanski sieht ein verändertes Freizeitverhalten als weiteren Faktor, das weniger Gelegenheiten zum Kennenlernen bietet. Die Corona-Pandemie wirkte als Katalysator, ergänzt um ein stärkeres Gesundheitsbedürfnis, das sich auch im geringeren Alkohol- und Drogenkonsum zeigt.
Bei der Verhütung sind Jugendliche zuverlässig: 76 Prozent nutzten beim ersten Mal ein Kondom, nur sechs Prozent gar nichts. Die Pille gewinnt an Bedeutung: 50 Prozent der mehrfach erfahrenen Jugendlichen und 48 Prozent der jungen Erwachsenen verwenden sie. Sechs Prozent setzen auf die Spirale. In neun von zehn Beziehungen wird über Verhütung gesprochen, oft auch über Schutz vor Infektionen.
Der Schulunterricht ist mit 78 Prozent die wichtigste Aufklärungsquelle, gefolgt vom Internet (53 Prozent, Rückgang um sechs Prozent). Soziale Medien nutzen 40 Prozent. Vertrauenswürdig gelten Aufklärungsseiten mit 85 Prozent, YouTube mit 41 Prozent, Instagram mit 27 Prozent und TikTok mit 20 Prozent. Wikipedia und KI-Inhalte halten 50 Prozent für glaubwürdig.