Die Philosophin Chantal Delsol zieht in einem Interview mit Le Figaro Parallelen zwischen der aktuellen Migrationssituation Europas und dem Zusammenbruch des Römischen Reiches an der Wende vom 4. zum 5. Jahrhundert. In ihrem neuen Buch 'Die Migrations-Tragödie und der Fall der Imperien', erschienen bei Odile Jacob, warnt sie vor einer 'zivilisatorischen Auslöschung' und ruft dazu auf, die Lehren des heiligen Augustinus wiederzuentdecken.
Chantal Delsol, eine französische Philosophin, veröffentlicht 'Die Migrations-Tragödie und der Fall der Imperien' (Odile Jacob), ein Buch, das eine Analogie zwischen der Ära des heiligen Augustinus und unserer eigenen zieht. In einem großen Interview mit Le Figaro beschreibt sie diese beiden Momente als 'Epochen' tiefer historischer Brüche im Sinne von Charles Péguy, in denen ein altes Paradigma zusammenbricht.
Laut Delsol geht es um den Untergang eines jahrhundertealten Imperiums: zuerst kolonial, dann kulturell, das wie eine instabile Pyramide zerfällt. Zur Zeit Augustins, im 4.-5. Jahrhundert, wurde Rom, das gewohnt war, die Welt zu erobern, von barbarischen Heeren invadiert, die die imperialen Gebiete ohne effektiven Widerstand durchdrangen. Der Effekt ist 'verblüffend', bemerkt sie.
Angesichts dieser 'zivilisatorischen Auslöschung', die mit den aktuellen Migrationen verbunden ist, lädt die Philosophin dazu ein, Lehren aus den Schriften des heiligen Augustinus für unsere Zeit zu ziehen. Das Interview beleuchtet diese gefährlichen Perioden, in denen sich eine Leere auftut, unsicher, was daraus entstehen wird.