Christian Martinoli, der bekannte TV Azteca-Kommentator, teilte Details zu seiner ersten FIFA-WM-Erfahrung in Frankreich 1998, als er als Freiberufler ohne offizielle Akkreditierung reiste. In einem Interview mit Yordi Rosado beschrieb er die logistischen Herausforderungen, von heruntergekommenen Hotels bis zur Jagd nach Spielerinterviews. Dieses prekäre Abenteuer führte letztlich zu seiner Fernsehkarriere.
Christian Martinoli hatte seinen ersten Kontakt mit einer FIFA-WM in Frankreich 1998, lange bevor er die Ausgabe 2002 Korea-Japan im Fernsehen kommentierte. Mit 22 Jahren ohne Akkreditierung arbeitete er als Freiberufler mit einem unabhängigen Kameramann namens Silver, der Aufnahmen an Sender wie Univision, Telemundo und Channel 22 in Los Angeles verkaufte.
Ein Jahr zuvor bei der Copa América in Bolivien hatte der 21-jährige Martinoli ohne Ausweis gearbeitet und eine 'Mordida'-Gebühr bezahlt, um bei der Presse bleiben zu können. Um Reisen zu finanzieren, nutzte er die American Express-Karte seiner Tante, da US-Sender erst nach Erhalt der Kassetten zahlten. 'Wir haben Interviews von oben bis unten mit allen Teams gemacht (...), Kassetten an alle Sender überall verschickt; ich habe denselben Typen dreimal für verschiedene Medien interviewt', erinnerte er sich.
Die WM-Einladung kam überraschend an einem Samstagmorgen in Toluca. Silver traf ihn am Nachmittag am Terminal 1 des AICM. Seine Mutter wechselte in Franc, und Martinoli reiste mit Bus und Metro von Toluca. In Paris wohnte er im Hotel The National nahe der Gare du Nord, für vier Nächte gebucht.
Die Ankunft war hart: kein Aufzug, sie schleppten die Ausrüstung in den dritten Stock; das Fernsehen zeigte nur zwei Kanäle. Bald tauchten Kakerlaken auf. 'Ich bin da und plötzlich eine verdammte Kakerlake, dann eine zweite... was ist das? Ich gehe raus, will in die Apotheke, nichts offen, ende beim Kebab', erzählte er. Er verbrachte die Nacht wachsam wegen der Schädlinge, angepasst an den Jetlag.
Tage später kam Silver, und sie wechselten das Hotel, wo Martinoli wegen Platzmangels auf dem Boden schlief. Ohne Akkreditierung jagte die Polizei sie von den Trainings, also 'jagten' sie Spieler am Eiffelturm. 'Es war gar keine angenehme Erfahrung', gab er zu.
Während des Events traf Martinoli auf Luis Manuel Jaramillo, Kamera-Direktor von TV Azteca, den er aus Toluca kannte. Jaramillo empfahl ihn an José Ramón Fernández, was zu einem erfolgreichen Test bei dem Sender führte, wo er immer noch arbeitet. Er verdiente kein Geld, deckte aber die Kosten und kam auf null.