Der fünfte Spielfilm des mexikanischen Regisseurs Fernando Eimbcke, ‘Flies’, hat im Wettbewerb der Berlinale uraufgeführt. Der Film bringt einen einsamen Neunjährigen und einen zurückgezogenen Rentner inmitten einer familiären Gesundheitskrise zusammen. Er setzt Eimbckes Rückkehr zum Filmemachen nach 12-jähriger Pause fort.
Fernando Eimbcke folgt mit ‘Flies’ auf seinen Film von 2025 ‘Olmo’, ein bescheidenes Drama, das emotionale Verbindungen durch subtile Erzählweise erforscht. Im Wettbewerb der Berlinale uraufgeführt – Eimbckes erste seit ‘Lake Tahoe’ 2008 –, dreht sich der Film um Olga, eine über Sechzigjährige, dargestellt von Teresita Sánchez, die ein ruhiges Leben in ihrer ordentlichen Wohnung in Mexiko-Stadt führt. Genervt von hartnäckigen Fliegen vermietet sie widerwillig ein freies Zimmer für Zusatzeinkommen in schwierigen Zeiten. nnDie Bewohner des Zimmers sind Cristian, ein energiegeladener Neunjähriger gespielt von Bastian Escobar, und sein erschöpfter Vater Hugo Ramírez. Sie suchen vorübergehende Unterkunft nahe einem städtischen Krankenhaus, wo Cristians Mutter eine langfristige Krebsbehandlung erhält. Cristian, der das Krankenhaus als Ort der Besserung sieht, verbringt unbeaufsichtigte Stunden in einem lokalen Arcade-Spielsalon und nutzt Fantasie, um mit seinen Ängsten umzugehen. Olga, anfangs gegen Familien als Mieter, entdeckt die Täuschung, lässt sie aber bleiben, als der Vater Gelegenheitsarbeit findet, was sie in eine unerwartete Kinderbetreuungsrolle zwingt. nnIn scharfem Schwarz-Weiß von María Secco gedreht, kontrastiert der Film das weiche Licht von Olgas Wohnung mit dem harten Outdoor-Glanz und betont ihren Zufluchtsort. Der Sounddesign von Javier Umpierrez fängt das ferne Stadtgemurmel und die elektronischen Arcade-Geräusche ein und unterstreicht Themen von Isolation und Eindringung. Das Drehbuch, verfasst von Eimbcke und Vanesa Garnica, deutet Olgas Vergangenheit durch Objekte wie Puzzles und eine Salsa-CD an, ohne ihre Bindungsunwilligkeit zu übererklären. nnEscobar verleiht Cristian natürliche Unruhe, während Sánchez eine Performance mit zurückgehaltener Emotion und aufkeimender Wärme bietet. ‘Flies’ vermeidet formelhafte Sentimentalität und hebt stattdessen Ähnlichkeiten zwischen den Figuren über Generationengrenzen hinweg hervor und bietet flüchtigen Trost inmitten der Tragödie. Produziert von Teorema und Kinotitlán in Koproduktion mit K&S Films und Nephilim Producciones, wurde der 101-minütige Film (Originaltitel: ‘Moscas’) am 9. Februar 2026 in den Soho Screening Rooms in London besprochen.