Der Regisseur Ilker Çatak hat mit seinem Politdrama „Gelbe Briefe“ den Goldenen Bären bei der Berlinale 2026 erhalten. Sandra Hüller wurde als beste Schauspielerin für „Rose“ ausgezeichnet. Die Abschlussgala war geprägt von politischen Statements zum Nahostkonflikt.
Bei der Abschlussgala der Berlinale 2026 in Berlin wurde der Goldene Bär für den besten Film an „Gelbe Briefe“ von Ilker Çatak verliehen. Der Berliner Regisseur erzählt darin die Geschichte eines türkischen Künstlerpaares aus der Theaterwelt in Ankara, das durch politische Positionierung Berufsverlust und materielle Not erleidet. Es ist der erste Gewinn eines deutschen Regisseurs seit mehr als 20 Jahren; zuletzt siegte Fatih Akin 2004 mit „Gegen die Wand“.
Sandra Hüller erhielt den Silbernen Bären für die beste schauspielerische Leistung in einer Hauptrolle für ihre Darstellung in „Rose“ von Markus Schleinzer. Sie spielt eine Frau, die im 17. Jahrhundert in einem abgelegenen Dorf als Mann lebt, um Freiheit zu erlangen. Es ist ihr zweiter Silberner Bär; der erste war 2006 für „Requiem“.
Weitere Preise: Großer Preis der Jury an „Kurtuluş“ von Emin Alper, Jury-Preis an „Queen at Sea“ von Lance Hammer, Silberne Bären für Regie an Grant Gee („Everybody Digs Bill Evans“), Drehbuch an Geneviève Dulude-de Celles („Nina Roza“) und künstlerische Leistung an Anna Fitch und Banker White („Yo (Love is a Rebellious Bird)“). Beste Nebendarsteller: Anna Calder-Marshall und Tom Courtenay in „Queen at Sea“. Bester Dokumentarfilm: „If Pigeons Turned to Gold“ von Pepa Lubojacki. Bestes Debüt: „Chronicles From the Siege“ von Abdallah Alkhatib.
Die Gala war von Debatten um den Nahostkonflikt geprägt. Abdallah Alkhatib brachte die palästinensische Flagge auf die Bühne und warf der Bundesregierung vor, am „Genozid in Gaza“ mitzumachen, und forderte ein freies Palästina. Marie-Rose Osta, Gewinnerin im Kurzfilmwettbewerb mit „Someday a Child“, sprach von Kindern in Gaza und Libanon ohne übernatürliche Kräfte. Der Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023 wurde nicht erwähnt. Berlinale-Intendantin Tricia Tuttle betonte, das Festival verteidige das Recht, die Stimme zu erheben, und stelle sich gegen Diskriminierung und Rassismus. Jury-Präsident Wim Wenders hatte zuvor gefordert, Filmemacher sollten sich aus der Politik heraushalten, was Kritik auslöste.