Die Intendantin der Berlinale, Tricia Tuttle, hat erklärt, dass sie ihren Posten behalten möchte, trotz heftiger Debatten über ihre Zukunft. Der Konflikt entstand durch den Umgang mit dem Nahostkonflikt während des Festivals. Eine Aufsichtsratssitzung soll nun die künftige Ausrichtung klären.
Tricia Tuttle, die 55-jährige US-Amerikanerin, übernahm im April 2024 die Leitung der Berlinale, eines der größten internationalen Filmfestivals. Die 76. Ausgabe im Februar 2026 war trotz politischer Turbulenzen erfolgreich: Die Besucherzahlen übertrafen den Rekord von 2025, der European Film Market florierte, und das Programm wurde von der Kritik gelobt.
Der Streit eskalierte nach einem Vorfall bei der Abschlussgala. Der syrisch-palästinensische Regisseur Abdallah Alkhatib warf der Bundesregierung vor, Partner „des Völkermords im Gazastreifen“ zu sein. Umweltminister Carsten Schneider (SPD) verließ den Saal und bezeichnete die Aussagen als nicht akzeptabel. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) und Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) verurteilten die Worte ebenfalls. Israels Regierung und die Bundesregierung weisen den Völkermord-Vorwurf zurück.
Die „Bild“-Zeitung berichtete kurz nach Festivalende, Tuttle solle abberufen werden, mit dem Umgang des Nahostkonflikts als Hintergrund. Weimer berief eine außerordentliche Aufsichtsratssitzung ein, was breiten Protest in der Kulturbranche auslöste. In Gesprächen mit Weimer am Dienstagabend diskutierte Tuttle die Möglichkeit einer einvernehmlichen Kündigung. „Das waren ehrliche Gespräche“, sagte sie der dpa. Weimer hatte zuvor der „Rheinischen Post“ mitgeteilt, Tuttle habe ihre Zukunft selbst infrage gestellt und erklärt, sie könne in der „vergifteten Atmosphäre“ kaum weiterarbeiten.
Trotz allem will Tuttle bleiben: „Ich bin sehr stolz auf mein Team und das Festival und möchte die gemeinsam begonnene Arbeit in vollem Vertrauen und mit institutioneller Unabhängigkeit fortsetzen.“ Die starke Unterstützung aus der Kulturszene, einschließlich israelischer Kollegen, habe ihre Klarheit wiederhergestellt. Zu Alkhatib sagte sie: „Was ich von ihm hörte, war Wut und eine explizite politische Überzeugung.“ Festivals müssten Orte der Offenheit und des Dialogs bleiben, um die Meinungsfreiheit zu wahren.
Am Mittwoch tagt der Aufsichtsrat über die Zukunft der Berlinale. Tuttle betonte, die Debatte unterstreiche das Prinzip, dass kulturelle Einrichtungen innerhalb demokratischer Rahmen agieren können. Sie bedauert, dass politische Diskussionen die Filme überschatteten, wie den Goldenen Bären-Gewinner „Gelbe Briefe“ von İlker Çatak.