Hochverarbeitetes essen schadet gesundheit und gesellschaft

Eine umfassende Analyse in The Lancet warnt vor den Folgen hochverarbeiteter Lebensmittel, die weltweit zu Fettleibigkeit, Diabetes und psychischen Erkrankungen beitragen. 43 Experten fordern eine globale Reaktion ähnlich wie gegen die Tabakindustrie. In Deutschland machen solche Produkte die Hälfte des Supermarktangebots aus.

Hochverarbeitete Lebensmittel wie Tiefkühlpizzen, Burger-Patties und Knuspermüsli sind praktisch und günstig, bergen aber langfristig Gesundheitsrisiken. Phillip Baker von der University of Sydney, Mitautor einer dreiteiligen Lancet-Analyse, betont, dass die zunehmende Dominanz solcher Produkte – englisch ultra-processed food (UPF) – den globalen Anstieg von chronischen Krankheiten antreibt. Die 43 Experten untersuchten, wie die Industrie den UPF-Verkauf durch Marketing und Lobbyismus fördert.

UPF bestehen aus billigen Zutaten wie gehärteten Ölen, Glukose-Fruktosesirup und Zusatzstoffen, sind oft verzehrfertig und hoch an Zucker, Fett oder Salz. Kritiker bemängeln die Einordnung nährstoffreicher Produkte wie angereicherter Cerealien, doch die Autoren argumentieren, es gehe um das Gesamternährungsmuster, bei dem frische Lebensmittel verdrängt werden. Der UPF-Sektor erzielte 2023 einen Umsatz von 1,9 Billionen US-Dollar und ist der profitabelste Teil der Lebensmittelindustrie.

In einkommensstarken Ländern wie den USA oder Großbritannien machen UPF bis zu 50 Prozent der täglichen Kalorienaufnahme aus, in ärmeren Ländern steigt der Verkauf stark. Carlos Monteiro von der University of São Paulo erklärt: «Der steigende Konsum hochverarbeiteter Lebensmittel verändert weltweit die Ernährungsgewohnheiten und verdrängt frische und minimal verarbeitete Lebensmittel und Mahlzeiten.» In Deutschland sind etwa die Hälfte der 24.000 analysierten Supermarktprodukte hochverarbeitet, sagt Mathias Fasshauer von der Justus-Liebig-Universität Gießen. Peter von Philipsborn von der University of Bayreuth fügt hinzu, dass Deutschland zu den Ländern mit dem höchsten Pro-Kopf-Absatz gehört und der Verzehr von Softdrinks, Süßwaren und verarbeitetem Fleisch überempfohlen liegt.

Studien zeigen Zusammenhänge zu Übergewicht, Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Depressionen durch schlechte Nährstoffqualität und Chemikalien. In Deutschland sind 25 Prozent der Erwachsenen adipös, was hohe Gesundheitskosten verursacht. UNICEF warnt, UPF seien eine dringende Bedrohung, besonders für Kinder, die durch Sponsoring normalisiert werden. Karen Hofman von der University of the Witwatersrand fordert: «Genauso wie wir vor Jahrzehnten gegen die Tabakindustrie vorgegangen sind, brauchen wir jetzt eine mutige, koordinierte globale Reaktion.» Vorgeschlagene Maßnahmen umfassen Besteuerung, Werbeverbote und Subventionen für gesunde Lebensmittel, trotz Widerstands der Industrie durch Lobbying.

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